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31.05.12 - 13:16 Uhr

Ein Leuchtturm der Inspiration


Christian Felber war angekündigt in der zweiten Veranstaltung der neuen BoxTalk-Reihe des Kulturvereins Kunstbox - und zweihundert Wissensdurstige strömten herbei. Das Emailwerk war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die offensichtlich an Alternativen interessiert sind - Alternativen zum bestehenden Wirtschafts-System, zu einem kranken Demokratie-Modell, Menschen, die spüren, dass es neue Wege braucht, um die Welt zu verändern - zum Besseren, wohlgemerkt.

 

Christian Felber, Mitbegründer von ATTAC Österreich und "Erfinder" der Gemeinwohlökonomie, nahm sich die erste halbe Stunde Zeit, auf sein neues Buch "Retten wir den Euro" einzugehen. "Nie wieder darf Steuergeld zur Rettung oder Garantie einer privaten, gewinnorientierten Bank eingesetzt werden. Das ist, wie wir gesehen haben, das Ende von Marktwirtschaft und Demokratie", ist sich Felber sicher. Auch der Sparkurs würge das Wachstum ab und irgendwann reißt die Schuldenlast dann die rettenden Staaten mit in den Abgrund, meint Felber sinngemäß. Er sieht die Lösung in der Schaffung EU-weiter Vermögens-, Unternehmens- und Spekulationssteuern, um die Schuldenlast einfach zu tilgen, sprich: abzutragen.

 

Christian Felber in seinem Vortrag zu folgen ist leicht, sowohl inhaltlich als auch persönlich. Jede seiner Thesen scheint logisch und klar, das Publikum scheint gespannt und entspannt zugleich zuzuhören, entspannt vor allem deswegen, weil es endlich einmal keine parteipolitisch motivierten Überschriften zu Gehör bekommt. Im Gegenteil, Felber formuliert seine Ideen präzise und nachvollziehbar, rechnet kühl vor, wie man wirtschaftliche Knoten lösen könnte und lässt vor allem immer durchblicken, um was es ihm vor allem geht: um den Menschen - oder pluralistisch ausgedrückt: Um die Gemeinschaft und um das Gemeinwohl.

 

Genau darum ging es dann im zweiten Teil des Vortrags: die "Gemeinwohlökonomie". Die Idee dahinter ist, die ganze Wirtschaft und jedes Unternehmen von Konkurrenz auf Kooperation umzupolen. Felber schlägt vor, das leitende Prinzip dieser Gesellschaft auszuwechseln, dem Kapitalismus das ungebremste Gewinnstreben abzugewöhnen. Er verlangt, eine Obergrenze für Privateigentum einzuführen, Banken und Unternehmen die Finanzspekulation zu untersagen und Firmen zu verpflichten, nur noch sozial- und umweltverträgliche Produkte herzustellen.

 

Dies alles soll in einer Gemeinwohlbilanz dokumentiert sein, in der Rechenschaft abgelegt wird über die soziale und ökologische Ausrichtung des jeweiligen Unternehmens. Rund 600 Unternehmen sind mittlerweile als Unterstützer auf der Internetseite der Gemeinwohlökonomie vertreten. Einige veröffentlichen schon ihre Gemeinwohlbilanz, wenn man sich die Liste der engagierten UnternehmerInnen ansieht, findet man durchaus attraktive Marken dabei, zum Beispiel die Brauerei Trumer aus Obertrum, die Zotter Schokoladen-Manufaktur in Riegersburg oder das Bahntechnik-Unternehmen Rhomberg in Bregenz.

 

Den Gesetzgeber nimmt Felber in die Pflicht, indem Unternehmen mit einer guten Gemeinwohlbilanz steuerlich und zollfiskalisch bevorzugt werden sollten, die Übrigen benachteiligt. Ein basisdemokratischer Wirtschafts-Prozess also, etwas völlig Neues aus jetziger Sicht, mehr als nur ein neuer Rahmen, ein neues Fundament für die Wirtschaft. Und es sind nicht nur sogenannte "Linke" und "Alternative", die sich diesen Thesen anschließen. Eine breite Strömung des linksliberalen und bürgerlichen Zeitgeistes formuliert ihre Unzufriedenheit mit dem Zustand der Gesellschaft immer öfter. Diesen Menschen bietet Felber ein Konzept, das Antworten auf viele Fragen verspricht.

 

Christian Felber studierte romanische Literatur, Spanisch, Wirtschaft, Politikwissenschaften und ist auch „experimenteller Tänzer“. Diese Facette zeigte er zwar im Emailwerk nicht, aber er sprach so lange, bis ihm die Stimme versagte. Seine offensichtlich zurückhaltende Art weicht auf der Bühne der Leidenschaft, mit der er seine Ideen betreibt. Man spürt, wie sehr er dafür brennt. Mit diesem Gefühl gingen 200 Menschen nach Hause - und manche mit der Hoffnung, dass es doch Lösungen gibt für die vielen Probleme, mit denen unsere Gesellschaft zu kämpfen hat. Vor allem aber verließen sie den Saal mit der Inspiration, dass Veränderung durch eigenes Tun möglich ist.

Christian Felber ist der Leuchtturm dieser Inspiration.

(lf)

 

 

 











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