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26.11.05 - 18:31 Uhr

Langsam gelesen


Am 25. November präsentierte die Schriftstellerin und Publizistin Ilma Rakusa ihr programmatisches Essay „Langsamer“ im Emailwerk in Seekirchen. In ihrer Lesung hält Rakusa ein ruhiges und zugleich eindringliches Plädoyer für den bewussten und behutsamen Umgang mit unserer Zeit und sieht im Lesen eine der wirkungsvollsten Therapien gegen die „speed-desease“.

 

Bereits in der Einleitung stellt Ilma Rakusa jene Frage in den Raum, die zwar alle Zuhörer tagtäglich am eigenen Körper und in der eigenen Seele spüren, die sich aber die wenigsten bewusst stellen: „Wie viel Geschwindigkeit verkraften wir?“. Wie viele highspeed-Internetanschlüsse, wie viel fast-food und wie schnelle Tagesabläufe erträgt ein Mensch, bevor er aus dem Gleichgewicht gerät und sein natürliches Spürbewusstsein kollabiert?

Die unterstützende Technik die zwar von Menschen erdacht, deren Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit aber nicht für Menschen gemacht ist, wirft für Rakusa eine zweite Frage auf. Wissen wir zuviel? Das rasant wachsende Spannungsfeld zwischen einer schnellen Welt und dem Recht auf Langsamkeit beantwortet diese Frage mit ja.

Für Rakusa bildet das Lesen den erfüllendsten Gegenpol zu Trendhektik, Zeitmanagement und Co. In Ihrem Essay widmet sie sich vor allem Autoren, die schon ihrerseits einer tempogetriebenen Welt kritisch gegenüberstanden. Entscheidend für sie ist aber nicht nur das Lesen als entschleunigte Form des Genusses, sondern ebenso dass sie sich dabei in ruhigem Einklang mit ihrer Umgebung befindet. So zitiert und beschreibt sie auch in ihrem Essay nicht nur ihre inhaltlichen Leseerlebnisse zum Thema Langsamkeit, sondern gleichermaßen auch die sie umgebenden Orte und Situationen als Oasen der slow-motion.

Um die Essenz dieses Abends auch spürbar nach außen zu tragen, sorgten die Mitglieder der Kunstbox für völlige Ruhe im Emailwerk. Selbst in der foyer:bar herrschte eine Stunde musiklose Stille, alles schien ein wenig langsamer zu laufen. Die Gäste waren zwar überrascht, genossen die Augenblicke der Ruhe aber in vollen Zügen.

 











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