Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
12.02.06 - 18:54 Uhr

The Sound of Music - das weltberühmte Österreichklischee


Warum einer der kitschigsten Filme, der je über eine Kinoleinwand geflimmert ist. ausgerechnet im Emailwerk in Seekirchen wieder aufgeführt wurde, hat einen einfachen Grund: The Sound Of Music hat, wahrscheinlich wie kein zweites cineastisches Werk ein Heimatbild geprägt und in die ganze Welt transportiert. Selbst wenn die Botschaft des Filmes mit der Realität damals wie heute nur wenig gemein hat, sie hat Tausende und Abertausende Touristen nach Salzburg geführt. Ein Österreichklischee, das seit Jahrzehnten kein bisschen verwässert wurde, ist eine der härtesten touristischen Währungen weltweit.

 

Die Charaktere sind einfach, formschön und berechenbar. Die Handlung ist direkt, voraussehbar und das Ende am Anfang vorwegzunehmen. Auf diese Weise würde man heute einen Hollywood Blockbuster beschreiben. „The Sound Of Music“ wurde bereits 1964 nach dem gleichen Strickmuster entworfen. Für die weibliche Hauptrolle wurde der vielversprechende Musical-Star Julie Andrews gewählt – ein Glücksgriff von Filmdirektor Robert Wise, wurde er doch noch 1965 von den Academy Awards zum besten Direktor und „The Sound Of Music“ zum besten Film gewählt.

Die Geschichte der singenden Familie Trapp ist in jeder Beziehung eine Reduktion auf das Klare und vermeintlich Wesentliche. Wer den Film gesehen hat und mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut ist, wird zur Schlussfolgerung gelangen müssen, dass sich die Frohnburg, der Mondsee und der Leopoldskroner Weiher auf einem größeren Grundstück gleich neben der Festung Hohensalzburg befinden. Vielleicht findet der amerikanische Glaube, man könne Europa in einer Woche bereisen, darin seinen Ursprung. Nicht minder reduziert, die Rollen der Haupt- und Nebendarsteller. Der hartschalige Kapitän (Christopher Plummer) mit dem, man staune, weichen Herz. Die pfeifetanzenden Kinder (von 16 – 5: Liesl, Friedrich, Louise, Kurt, Brigitte, Martha und Gretl) von denen jedes für einen kindlichen Charakterzug steht. Und natürlich das Fräulein Maria (Julie Andrews) das genug positivistische Lebenseinstellung in sich trägt um sogar 8 Millionen Österreichern das Raunzen abzugewöhnen.

Die historischen Schwierigkeiten der „echten“ Familie Trapp, der Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland, die Flucht ins Ausland sind bestenfalls Beiwerk, um den Film über seine Länge am Leben zu erhalten. Zwar sind die Protagonisten ob ihrer Probleme oft innerlich zerrissen - in der Filmwelt, in der die Guten eben gut und die Bösen ausschließlich böse sind, können sie ihre Entscheidungen aber mit einer beruhigenden Sicherheit treffen, wie ein Politiker, der nach der nächsten Wahl ohnehin zurücktreten will.

So bleibt „The Sound Of Music“ auch heute genau das, wofür er vor 40 Jahren entworfen wurde, eine schöne Geschichte mit schönen Menschen in einem schönen Land. Eine Geschichte, die, ausgehend von einem Vietnamkrieg-gebeutelten Land, in ihrer liebevollen Einfachheit und berührenden Pseudodramatik eine ganze Welt im Sturm erobert hat und bis heute fest in ihrer Hand hält.

 

 

 

 

 

 











<- Zurück zu: Archiv