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20.03.06 - 08:50 Uhr

Am Schauplatz


Die Aufführung „Himmelreichgasse 13b/Teil 2“ der LAUBE Theaterwerkstatt am 17. März im Emailwerk, regte zum Nachdenken an. In erster Linie, weil die Mitglieder der Laienschauspielertruppe „Grünspan 79“, die im österreichischen Gesellschaftsregister unter der Rubrik „Menschen mit psychischen oder sozialen Problemen“ geführt werden, ein Stück inszenierten, dessen Inhalt vom Alltag in jedem urbanen Wohnblock um die Ecke handeln könnte.

 

Wer im Publikum saß und wusste, weil es ja so in der Ankündigung stand, dass die Protagonisten dieses Abends psychische oder soziale Probleme haben, lief in den ersten Minuten des Stückes Gefahr, sich weniger auf die Handlung zu konzentrieren, sondern eher auf die Frage „was fehlt denn der Frau in der altmodischen Küchenschürze oder dem Mann der da mit so angenehmer und ruhiger Stimme über das Leben philosophiert?“. Die Antwort blieb offen. Nicht nur, weil man vergeblich nach Auffälligkeiten suchte, die sich in irgendeiner Form außerhalb der selbstgestrickten gesellschaftlichen Norm manifestierten, sondern auch, weil die Handlung den erschreckend realen Alltag eines x-beliebigen Mehrparteienhauses in zweitbester Lage wiedergab und somit einmal mehr unterstrich – Normalität ist Gewohnheitssache.

Es gab eine Hausmeisterin, die alle terrorisierte, ausgenommen natürlich den Herrn Professor, der seinen Titel zwar nicht rechtmäßig trug, aber wen kümmert das in Österreich. Es gab eine katzenliebende Frau Maria, deren Tierliebe sich im Verhältnis 3:1 äußerte (dreimal streicheln, einmal treten). Es gab einen frühpensionierten Postbeamten und selbsternannten Haustechniker, dessen vordringlichste Aufgabe es war, die ständig „fliegenden“ Sicherungen wieder zu ersetzen, bevor die Hausmeisterin einem hysterischen Wutanfall erlag. Es gab auch einen Hausmeisteringatten (die Reihenfolge stimmt so), der sowohl das Essen als auch die Kommentare seiner besseren Hälfte verweigerte. Und es gab einen hexenschussgeplagten älteren Herrn, von dem eigentlich keiner so richtig wusste, dass er da war und warum. Alles in allem – nichts Auffälliges, alles wie gehabt, kein Grund zur Sorge.

Aber gerade diese Scheinnormalität führte dem Publikum vor Augen, wie stumpf wir als Konsumenten und als Beobachter geworden sind. Die Hingabe und Authentizität, mit der die SchauspielerInnen den ganz normalen Wahnsinn interpretieren, war vom ersten Augenblick an fesselnd und entlarvend zugleich. Eine schonungslose aber niemals bösartige Abrechnung mit dem Leben einer Hausgemeinschaft, stellvertretend für eine Gesellschaft, die auf dem sozialen Auge Sehschwierigkeiten hat.

 











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