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05.03.06 - 17:04 Uhr

Doppelconference zu Dritt


Am 3. März gelang den Kabarettisten Werner Brix und Gregor Seberg im Emailwerk, was, streng per Definition, eigentlich nicht möglich ist. Während ihres Programms „Fuckin’ Austrian Lesetheater“ erlebten die Zuschauer eine witzige Doppelconference in der alles verarbeitet wird, was nicht angenagelt ist, inklusive dem Publikum, das im Laufe der Vorstellung kurzerhand als dritter, aktiver Partner herhalten musste.

 

Es begann mit einer scheinbar harmlosen Lesung, die das Publikum höchst amüsiert verfolgte und es in den ersten Minuten in trügerische Sicherheit wiegte. Aus heiterem Himmel war es dann aber vorbei mit der Untätigkeit der werten Zuhörerschaft. Es wurde befragt, umgesetzt, auf die Schaufel genommen, Mannschaften eingeteilt - die beiden Protagonisten führten einen regelrechten Wahlkampf um die Gunst des Auditoriums. Phasenweise waren die Kabarettisten mehr im Saal als auf der Bühne zu sehen, immer auf der Suche nach Gefolgsleuten und Unterstützung der eigenen Meinung. Wer die falschen Antworten auf aberwitzige Fragen gab, wer es wagte zu widersprechen wurde gnadenlos dem „gegnerischen“ Lager zugewiesen.

Brix und Seberg bedienten sich in zwei Stunden voller Abwechslung und pointierten Sprüchen einer schier unerschöpflichen Quelle an Themen, Hilfsmitteln und schauspielerischer Gestaltung. Einmal stand die Frage „muss sich ein Gedicht reimen“ auf dem Programm, Minuten später wurde festgestellt, dass jede Lesung per Vorschrift eine Huldigung enthalten müsse (im Zweifelsfall an Franz Morak), die dann auch prompt gesungen wurde. Unterstützt wurden die beiden von einem ominösen Herrn Umberto Fink, der laut Aussage von Brix das Publikum durch die Infrarotschnittstelle seines Laptops beobachtete und nicht müde wurde, die ohnehin entfesselten Darsteller mit skurrilen Wortmeldungen weiter anzutreiben. Auf der Suche nach Literatur wurden einzelne Zuschauer nach Lesbarem durchsucht. Kleiderlabels, Handys, sogar der Terminkalender einer Dame, nichts war Brix und Seberg heilig genug, um nicht postwendend vorgelesen zu werden – selbstverständlich nicht ohne entlarvende Kommentare über den Inhaber bzw. Träger des jeweiligen „Lesestoffes“. Mit feinem Humor, abgelöst von beißender Satire und gewürzt mit witzigen, gesungenen Einlagen führten Brix und Seberg ihr Publikum durch den Abend, ohne sich oder den Zuschauern eine Unterhaltungspause zu gönnen.

 











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