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24.04.06 - 10:45 Uhr

Brandbeschleuniger


Was passiert, wenn in einer Männerfreundschaft die emotionalen Dämme wegen zu hohem Fruststaupegels brechen, konnten die zahlreichen Zuhörer der Komödie „Kunst“ am 22. April hautnah miterleben. Drei entfesselte Schauspieler lieferten sich eine urkomisch-dramatische Zimmerschlacht an unzähligen Fronten.

 

Wenn sich jemand ein Bild kauft und die erste Wortmeldung des besten Freundes kommt in Form der Frage: „teuer?“, dann ist ein solider Grundstein für eine noch solidere Auseinandersetzung gelegt. Mit dem folgenden tiefenpsychologischen Gemetzel, das dem Publikum zeitweise die Lachtränen in die Augen trieb, rechnete zu diesem Zeitpunkt noch niemand, zumal sich der Dreiecksbeziehungsstreit nach jedem Akt um ein paar Facetten erweiterte.

Nachdem Serge seinem Freund Marc sein neues, sündhaft teures Bild gezeigt hat (weiß auf weißem Hintergrund) und dieser ewig lange mit seiner Fassung ringen muss (wie auch das Publikum vor Lachen), bevor er seinen Instinkten erliegt und das „Meisterwerk“ schlicht „Scheiße“ nennt, kommt eine Frust- und Kritiklawine ins rollen, die die Unzufriedenheit vieler Freundschaftsjahre ins Tal spült und der sich schließlich auch Yvan als dritter im Bunde nicht mehr entziehen kann.

Edi Jäger (Marc), Richard Saringer (Serge) und Klaus Ortner (Yvan), die an der, im Sinne der Freundschaft, zurückgehaltenen Kritik bereits fast erstickt wären, erbrechen ihre gegenseitigen Vorwürfe fast auf die Bühne, es kommt bis zur Schlägerei. Schnell war klar, das Bild um das sich zu Beginn alles drehte, war nur die Initialzündung, der Brandbeschleuniger, gleich dem liegengebliebenen Paar Socken, das in einer Ehe irgendwann ein größeres Beben verursacht.

So steht im Grunde die ganze Komödie für den Vorgang des „in-sich-hineinfressen-und-irgendwann-explodieren“, wie er in jeder Beziehungsform, gleich ob Freundschaft, Ehe, Job oder Verein wie eine Schlange auf der Lauer liegt, um urplötzlich zuzustoßen.

Die großartige schauspielerische Leistung der drei Darsteller trug diesen Mechanismus plakativ zur Schau und löste wohl bei vielen Zuschauern einige déja vues aus. Bleibt zu hoffen, dass die Heftigkeit, wie sie bei „Kunst“ auf die Bühne kam, trotz Happy End ein Einzelfall bleibt.

 

 











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