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20.08.06 - 10:48 Uhr

And the Oscar goes to…


Und der Oscar in der Kategorie bester Schauspielblechblasgesang geht an: --- Mnozil Brass mit „Das trojanische Boot“.

Zugegeben - noch gibt es keine Auszeichnung für dieses Genre, gäbe es sie, der siebenköpfigen Formation wäre sie sicher. Die Aufführung am 19.08. in der Mehrzweckhalle Seekirchen ließ daran keinen Zweifel.

 

Das Licht geht aus, die ersten blechernen Klänge füllen den Saal und keine zwei Minuten später brechen knapp 500 Zuschauer in schallendes Gelächter aus. Und in dieser Tonart geht es den ganzen Abend weiter. Im Zuge der Geschichte von einer wunderschönen Prinzessin, die mit ihrem Boot zwischen zwei Inseln zu liegen kommt, deren Bewohner unterschiedlicher nicht sein könnten, wird das Publikum gnadenlos mit herrlich ausdrucksvollem Humor und hinreißend virtuosem Brass bespielt. Da kämpfen durchgeistigte Lyriker mit einer Aversion gegen (körperliche) Gewalt gegen rassige Vollblutschläger, die ihren Gegnern am liebsten die Ohren abreißen würden, um die Gunst der atemberaubenden Schönheit.

 

Letztendlich wird der vor Anker gegangenen Prinzessin das testosterongeladene Treiben zu bunt und sie ruft die Parteien zum fairen, aber blutleeren Wettkampf um ihre Liebe auf. Was nun auf der Bühne folgt ist zweifellos der Höhepunkt des trojanischen Bootes. Sechs geniale Musiker (Nummer sieben spielt die Prinzessin) balzen mit aufmagazinierten Instrumenten um den zusagenden Blick der fremden Schönheit, als wäre sie die letzte Frau auf der Welt. Die Instrumente glühen, die gesangliche und schauspielerische Hingabe der Anwärter füllt den Saal mit aphrodisierenden Klängen und genial komischen Bildern. Blockflöte wirbt mit Trompete um die Wette, Tuba kämpft gegen Horn, und selbst ein Alphorn schüchtert, ob seiner imposanten Größe, die Rivalen ganz schön ein. Spätestens hier kalmiert die Prinzessin jedoch - Länge ist nicht alles. Und noch während die Damen im Publikum ihren misstrauischen Partnern genau dies versichern, enthüllt die sinnliche Schönheit unbekannter Herkunft ihre Mission.

 

Sie gibt sich letztendlich als Erkunderin eines fremden Reiches zu erkennen, innerhalb der EU würde man sie wohl Abgesandte nennen, einzig zu dem Zweck entsandt, zu prüfen, ob die Inselbewohner einen Zivilisationsgrad erreicht hätten, der eine Zusammenarbeit von beiderseitigem Nutzen rechtfertigen würde. Nun – sie haben nicht – und in genau diesem Punkt setzt Mnozil Brass seinem Publikum den lachenden Spiegel vors Auge. Mit der erhabenen Beherrschung ihrer Instrumente und der direkten, aber immer sympathischen Komik der Darstellung, senden die sieben Protagonisten eine zwar unvergleichlich humorvolle, aber dennoch tiefgründige Botschaft an ihr Publikum: Egal was es ist, Gewalt zahlt sich nicht aus und bitte denkt endlich mal nach, bevor ihr zur Flinte greift!

(mw)

 











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