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15.10.06 - 12:20 Uhr

Verzauberflöte


Die Premiere der Zauberflöteninszenierung mit Sockenpuppen, Holzbläsern, Plattenspieler und Sprecherin am 14. Oktober im Emailwerk in Seekirchen war sehr viel mehr als eine weitere Interpretation der berühmten Mozartoper. Einer der Gäste brachte in einem Satz auf den Punkt, was alle anderen im ausverkauften Haus im Herzen fühlten: „Ich hatte das Gefühl ich war mitten unter den Puppen, ich war diese zwei Stunden in ihrer Welt“. Ein schöneres und ehrlicheres Kompliment konnte man den Veranstaltern, dem Musikum Seekirchen und dem Kulturverein Kunstbox nicht machen.

 

Nach einem Jahr planen, üben, ausprobieren, verwerfen und wieder üben war für die rund 30 Beteiligten am 14. Oktober der große Augenblick gekommen. Unter der Leitung von Ulrike Hofmann (Musikum Seekirchen) und einer Inszenierung von Verena und Leo Fellinger (Kunstbox) brachten die Schülerinnen und Schüler des Musikum Seekirchen eine Zauberflöte zur Aufführung, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.

 

Die Sockenpuppen waren ähnlich aufgeregt wie ihre Träger. Papageno brachte seine Federn ein letztes Mal in Ordnung, Tamino prüfte sein Make Up, die drei Damen plapperten durcheinander und Sarastros Krone zitterte ein wenig. Doch in jenem Augenblick, als die Königin der Nacht (Anita Köchl) die Bühne betrat, betraten alle Puppen, alle Sänger und Holzbläser Mozarts Zauberflötenwelt und luden das Publikum ein, ihnen zu folgen.

 

Was folgte, war eine liebevolle und zugleich spannende Aufführung in deren Verlauf die verschiedenen Darstellungsformen einander ablösten. Die geläuterte Königin der Nacht führte das Publikum mit ihren gelesenen Texten von einer Szene in die nächste und ließ dabei die Beweggründe für ihr damaliges, grausames Handeln Revue passieren. Als begnadete Schauspielerin verlieh Anita Köchl ihren Texten eine fesselnde Tiefe und würdige Erhabenheit.

 

Dazwischen lag es an den Sockenpuppen mit ihren „Betreibern“ und am Holzbläseroktett, das Publikum immer tiefer in das Geschehen einzubinden. Die liebevoll gestalteten Puppen verkörperten alle Figuren der Zauberflöte und versprühten einen Charme, dem sich niemand entziehen konnte. Die SchülerInnen des Musikums, die die Puppen führten und gleichzeitig schwierigste Passagen aus der Zauberflöte sangen, vollbrachten wahre Meisterleistungen. Trotz des hohen Anspruchs an Stimme und Bewegungskoordination gelang es den Darstellern, die Zuschauer die Charakterzüge und Geschichten ihrer Schützlinge auf ergreifende Weise mitfühlen zu lassen.

 

Unterstützung bekamen Puppen und Sänger von einer genialen Alathea Hölscher am Klavier. Ihre feinfühlige Begleitung rundete jede Rolle perfekt ab und unterstrich noch einmal die individuellen Wesenszüge der Darsteller.

 

Inmitten des bunten Treibens zauberte das Holzbläseroktett unter der Leitung von Karl Strohriegel ganze Szenen und Landschaften in den Raum. Die Musiker, die meisten noch um einiges jünger als Mozart selbst, als er die Zauberflöte komponierte, zeigten deutlich, dass sie seine Musik mehr als verstanden haben. Den KlangkünstlerInnen gelang auf eindrucksvolle Weise, die Lebendigkeit der Inszenierung mit ihren Instrumenten zu übernehmen und weitere Facetten hinzuzufügen.

 

Es war vor allem das perfekte Zusammenspiel aller Darstellungsformen, die diese Zauberflöte so mitreißend unterhaltsam und zugleich hintergründig machte. Eine intelligente Inszenierung, von der ein weiterer Gast gar behauptete, dass sie ihn mehr bewegt hat, als die Festspielaufführung im heurigen Mozartjahr. Was will man mehr?

(mw)

 











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