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14.11.06 - 16:17 Uhr

Loriot? – Ach was!


Loriot wird nicht bereichert und nicht umgebaut. Seine Stücke, sein Humor werden wiedergegeben, weil es sich manchmal eben nicht auszahlt, an Wahrheiten herumzubasteln. Der Loriot- Abend „Loriots dramatische Werke“ mit dem Schauspielerehepaar Anita Köchl und Edi Jäger im EmailWERK war ein Abend ganz im Sinne des Erfinders. Echt, komisch, manchmal stechend und schauspielerisch brillant.

 

Loriots (Vicco von Bülow) Werke leben nicht von einer künstlichen Komplexität wie sie vom modernen Kabarett oftmals zur Schau getragen wird. Sie verstecken sich nicht hinter so genannten vielschichtigen Handlungen und kommen ganz ohne Spannungsbögen, Zugänge oder welche Begriffe es noch für unverständlich und kompliziert gibt, aus. Loriots Beliebtheit und zeitlose Genialität liegen in der Einfachheit. Einfachheit für den Zuschauer wohlgemerkt. Es gibt kaum einen anderen Künstler, der soviel alltägliche Einfalt und soviel Gesellschaftsunsinn in so klar verfolgbare Handlungen packen und zugleich soviel Humor beimengen kann. Er wird niemals verletzend, verzichtet auf grobe Wörter und kann mit seinem himmlischen Sprachgebrauch und der ausgefeilten Situationskomik einen Abend lang aufs köstlichste unterhalten – das verlangen sie einmal von einem Humoristen jüngerer Tage.

Können Sie sich zum Beispiel daran erinnern: „Wir fordern die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, auch wenn der Säugling dabei vorübergehend an Gewicht verlieren sollte“ – so die Worte unter einer von Loriots Zeichnungen mit einem Herrn, der ein Baby an der Brust hat. – Na?

 

Anita Köchl und Edi Jäger haben es sich mit diesem Loriot-Programm wahrlich nicht leicht gemacht. Ein Publikum, das tagtäglich der unerträglich-superlativen Wortwahl von Werbung und PR ausgesetzt ist, mit der feinen Klinge und sinnlichen Kommunikation Loriots zu unterhalten, war bestimmt alles andere als einfach. Aber Köchl und Jäger jagten, nein - begaben sich, von einer Pointe zur nächsten. Hinreißend witzige Eheszenen, die zermürbenden Taktiken der Weiblichkeit, der hoffnungslos uncharmante Siegeswille der Männer, die Schlingfallen und Gruben der Arbeitswelt, beide Schauspieler lebten Loriots Gedanken bis zur letzten grauen Zelle. Ein großartiger Abend mit zwei großartigen Künstlern.

(mw)

 

 











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