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22.01.07 - 16:43 Uhr

Alles, was recht ist


Wissen Sie, ich bin durchaus dafür, dass in einem „Kulturhaus“ auch Stücke gespielt werden dürfen, die etwas außerhalb des normalen Gesellschaftslebens stehen. Es ist aber traurig, wenn bizarre Polemik lediglich dazu dient, eine gesunde und funktionierende Gesellschaftsordnung mutwillig zu untergraben und den braven Ehefrauen und Müttern, die das eherne Fundament dieser Gesellschaft bilden, eine Welt ohne Pflichten vorzugaukeln.

 

Lieber Kulturverein, ich habe Ihr Programm bislang mit größter Toleranz und dem nötigen Humor mitverfolgt und bereits einige Veranstaltungen, sofern Sie der allgemeinen Sittlichkeit nicht widerläufig waren, besucht.

 

Gerade deswegen erachte ich es als meine Pflicht, Ihnen unumwunden mitzuteilen, dass die Theateraufführung „Shirley Valentine“ – ich war der Meinung, es wäre eine Hommage an die große Shirley McLaine – die gültigen Regeln des harmonischen Zusammenlebens zwischen Mann und Frau auf geradezu beschämende Weise diffamiert. Nicht nur, dass diese Frau Köchl eine Person darstellt, der es offenbar an Verantwortungsgefühl mangelt und die mit ihrem Eheleben überfordert ist, nein – vielmehr wird die Untreue von ihr legalisiert und als hinnehmbarer Akt des gesunden Egoismus dargestellt. Ich frage Sie, werte Mitglieder des Kulturvereins, was würden Sie sagen, wenn Ihnen Ihre Gattin Pommes frittes mit Spiegelei servieren würde? Wann möchten Sie zu Abend essen? Bevor Sie nach Hause kommen? Bevor Sie zu Bett gehen? Aus welchem Grund würden Sie mit einer ständig unzufriedenen Frau in den Urlaub fahren, wenn die österreichische Heimat die schönsten Plätze für Sie bereithält?

 

Dieses Stück ist voller bösartiger Angriffe auf die heilige Institution der Ehe, in der jeder Partner seinen fixen Platz einnimmt. Voller aufhetzender Parolen gegen die unverzichtbare Arbeit einer aufopfernden Mutter für ihre Familie und ihren Ernährer. Meine verehrte Gattin, die das große Unglück hatte, dieser anhaltenden Tortur an meiner Seite ausgesetzt zu sein, war sogar noch höflich genug, bis zum Ende durchzuhalten, obwohl ich ihr mehrmals anbot, diese „Aufführung“ vorzeitig zu verlassen.

 

Anita – du warst toll! Dieses Stück mit seinen Höhen und Tiefen in jeder Phase so überzeugend zu bringen war eine überragende Leistung. Danke für einen ergreifenden Abend!

(mw)

 











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