Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
28.01.07 - 12:20 Uhr

Eitelkeiten…


Es ist doch immer wieder interessant, wie sehr uns unsere Schwächen amüsieren – natürlich nur, wenn wir sie bei anderen feststellen. Im Büro, zu Hause, im Verein, oder eben im Theater. „Der Kontrabass“ ist im Grunde eine Tabula Rasa unserer Schwächeleien, Eitelkeiten und der daraus resultierenden Sehnsüchte. Hermann Lechner spielt im Grunde keinen Kontrabassisten, sondern den zeitgenössischen Durchschnittstypen, der zeitlebens seinen verpatzen Chancen und eingestürzten Luftschlössern hinterherhechelt.

 

Schon der Anblick des Künstlers im Hausmantel ist erbärmlich. Aber wenn nicht nur die Augen, sondern auch die Kleidung ein Spiegel der Seele ist, könnte der Musiker nicht anders gekleidet sein. Er schlurft über die Bühne und erzählt, wie sehr ihn sein Instrument quält. Dieser große hölzerne Kasten, der ständig nur im Weg steht, wegen dem der zum Star geborene Bassist in der vorletzten Orchesterreihe stehen muss. Dieses unförmige Ding, das zudem auch noch gepflegt und schonend behandelt werden will – es ist zum Weinen. Dass „Der Kontrabass“ dennoch in großen Teilen komödiantisch ist, liegt nicht zuletzt an Hermann Lechner, der es versteht, das selbst gemachte Elend der Figur so subtil darzustellen, dass es zum Wesen eines sensiblen Künstlers passt. Er entspricht damit sicherlich auch der Absicht von Patrick Süskind, denn das Niveau des Jammers ist ein recht hohes. Andernfalls würde der Autor sein Stück vielleicht „Das Formular“ oder „Der Stammtisch“ genannt haben.

 

Lechners gespieltes Leiden ist ein sehr authentisches. Der gezielte Verzicht auf zu dramatische Überzeichnung gibt seiner Darstellung des Kontrabassisten eine bewegende Realität.

In seinem Weltschmerz schreckt der Musiker auch nicht davor zurück, Mozart zu kritisieren, der seiner Meinung nach für Kontrabässe schrecklich schlecht (vielleicht wollte er sagen: zu unauffällig) komponiert habe.

 

Die brennendeste und intimste Wunde wird im Stück als Letztes behandelt. Die unerfüllte, weil einseitige oder besser gesagt nicht wirklich existente Liebe zur Sängerin Sarah. Er kennt sie nur vom Sehen, sie ihn gar nicht. Den Ausgang dieser Geschichte ließ Süskind offen, er wird seine Gründe gehabt haben…

(mw)











<- Zurück zu: Archiv