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16.02.07 - 15:30 Uhr

Hörgenußmenschenskind


Der Mund kann nicht lügen, das Ohr sich nicht verhören, beide sind Instrumente des urteilslosen Seins. Das Gehirn dazwischen allerdings betrügt gern, steht im Weg und verfälscht. Heißt das aber, Mund und Ohr haben kein Bewusstsein, menscheln nicht? Im Programm „von ton-höhen und wort-fällen“ hieß es, Hirn wegschalten und sich allein auf mundisches und ohrisches Lustfühlen verlassen…

 

Vielwörterei (Polylogie) ist bei uns gottlob noch nicht gesetzlich geregelt. Sonst müssten eigens für den Literaten und Logopathen Semier Insayif stummfreie Zonen in öffentlichen Häusern eingerichtet werden. Auch die vorsätzliche Bewusstseinserweiterung, durch die Reduktion aller bekannten Konstruktionsregeln für Wortgebilde und deren Verkettung auf ihre Singularität (sprich das Nichtvorhandensein) fällt noch nicht unter das Suchtmittelgesetz. Würd’ aber dort hingehören und zwar haarspaltscharf. Sie verstehen nicht was ich meine? Mir gleichwurscht, hätten Sie es sich reingezogen! Eine Straße Insayif durch die halblinke Ohrmuschel und Sie sehen die Welt klar wie eine Glocke. Yeah.

 

Siggi Haider macht inzwischen Klangfarbe in die Gegend. Mit diesem uferlosen Teil von Parabolcarbonmelodizer (so ähnlich sieht das Ding aus) hat er die noch schreiende Wortgeburt von Insayif im Nu mit dem schönsten Bassrot bepinselt. Dann holt sein Akkordeon noch mal tief Luft und lässt durch die Sprinkleranlage eine feine gelb-blaue Gischt übers Publikum nebeln. Herrlich diese Landschaft – man möchte nie mehr runter. Die beiden sind voll abgefahren, mitten ins schutzlose Stammhirn, wie frisch geriebener Kren – steil.

Der Spritzer nachher an der Bar scheint sich im Glas linksherum zu drehen. Eigenartig, wir sind doch gar nicht Australien. Egal, ich nehm’ jetzt alles mit nach Hause und hau’ mich in die Hängematte. Eine Bodenberührung wär’ jetzt das Letzte.

 











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