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26.02.07 - 12:58 Uhr

Klanginseln


Bereits zum zweiten Mal gastierte der Wiener Kammerchor im Kulturhaus Emailwerk, Seekirchen. Bereits zum zweiten Mal zeigten die 36 SängerInnen und Sänger unter der künstlerischen Leitung von Johannes Prinz, dass die vokale Genussskala nach oben offen ist. In ihrem Programm „Inselstücke“ widmet sich eine der bekanntesten A-cappella-Formationen Österreichs sowohl Klassikern mit dem Schwierigkeitsgrad 10+, als auch beschwingten und humoristischen Stücken.

 

Wenn Mendelsohns Heiden toben, scheint der Veranstaltungssaal im Emailwerk ziemlich klein zu werden. Da gibt es kein Verstecken vor dem gar nicht lauen Lüfterl, das die Sänger des Wiener Kammerchores durch den Raum toben lassen, da herrscht (akustischer) Krieg im Auditorium.

Das ist es wohl, was einen Chor neben der stimmlichen Perfektion auszeichnet. Das Mitfühlen lassen. Das stille Leiden, wenn’s traurig ist. Das leichte Beben, wenn ein dramatisches Fortissimo die Luft bewegt. Das kleine Lächeln, das sich während einer lebendig-rhythmischen Passage unbemerkt ins Gesicht schleicht. Und auch die Gänsehaut gehört dazu, die ganz individuell jeden Zuhörer an einer anderen Stelle trifft.

All diese Facetten durften die Matinee-Besucher am 25. Februar im Emailwerk miterleben. Johannes Prinz und sein Ensemble bewegen das Publikum. Keine sterile Pracht, die den Zuhörer einschüchtert, sondern emotionales Miteinbeziehen steht an erster Stelle. Einzelne Stücke hervorzuheben ist ein müßiges Unterfangen. Für die einen mag es Bachs getragenes „Komm, Jesu Komm“ gewesen sein, für die anderen Debussys Trilogie „Trois Chansons“, für wieder andere...

 

Der Charakter der einzelnen Darbietungen war wie angekündigt völlig unterschiedlich, die Ausführung immer gleich perfekt und mitreißend.

Wenn ein Stück gesondert genannt werden möchte, ist es der Sprechgesang „Publikum“ des Komponisten Manfred Länger (selbst Tenor und Obmann des Chores). Während dieser Performance werden die Rollen getauscht und dem echten Publikum wird vom gespielten Publikum auf satirische Weise vorgeführt, was man auf der Bühne so zu hören bekommt, wenn der eine oder andere Zuhörer vergisst, dass ein Sänger nicht nur singen, sondern auch hören kann.

 

Ein Phänomen scheint im ganzen Chorwesen weltweit dasselbe zu sein – und jeder Chorleiter weiß, wovon die Rede ist. Die Männer schauen öfter in ihre Notenmappen als die Damen. Das tut der Qualität keinen Abbruch, ist aber spannend zu beobachten. Vielleicht liegt es daran, dass Chorleiterinnen so selten sind.

 

Der Wiener Kammerchor bereitete den zahlreichen Gästen wieder eine unvergessliche Matinee mit den schönsten vokalen Eindrücken. Hoffentlich bald wieder.

 

 











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