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18.03.07 - 09:44 Uhr

Oberösterreich


Am Samstag (10.3) zeigte das Lungauer Theater Mokrit im Kulturhaus Emailwerk in Seekirchen das kritische Volksstück "Oberösterreich" von Franz Xaver Kroetz.

 

12/03/07 „Einen Traum braucht der Mensch“, sagt Heinz. „Am besten fährt man, wenn man zufrieden ist“, setzt Anni entgegen. In solchen Sätzen reden sie aneinander vorbei und schauen sich dabei nicht an. Anni und Heinz kuscheln auf der Couch und scheinen mit sich und der Welt zufrieden. Im Hintergrund hört man einen Song - „Wir machen zwar dasselbe, denken aber nicht das gleiche!".

 

„Das macht müde, das Phantasieren“, sagt Anni. „Weil’s angenehm ist“, erwidert Heinz. Noch einmal will Heinz ausbüchsen, sich den Anforderungen des Lebens nicht stellen, das Verantwortung-Übernehmen auf später verschieben. Anni trägt ihn durch diese Zeit der Verweigerung. Während Heinz noch davon träumt, aus der Realität eines kleinbürgerlichen Lebens wenigstens zeitweise ausbrechen zu können, hat Anni sich schon entschieden. Sie weiß, was sie will.

 

Ehrnie Wimmer und Klaus Steinschnack bieten ein akkurates, unaufgeregtes Spiel in Dialektsprache, keine unnötige Bewegung, kein unnötige Mimik. Auf unspektakulärer Bühne reiht Regisseur Georg Reiter Szene an Szene, unterbrochen von kleinen Umbauten und Garderobewechsel. Der einstündige Einakter erzählt in rasch aufeinander folgenden Bildern von Gesprächssituationen, die sich wohl bei jedem Paar neu wiederholen.

 

Franz Xaver Kroetz, 1945 in München geboren, schrieb dieses Stück 1972. Damals stand er als Regisseur, Schriftsteller, Theaterautor und Schauspieler auf dem Höhepunkt seines Schaffens. In den 70er Jahren galt Kroetz im deutschsprachigen Raum als Erneuerer des Genres Volkstheater und war weltweit der meistgespielte deutsche Gegenwartsdramatiker.

 

Seine durchwegs pessimistisch gefärbten Stücke zielen auf den wunden Punkt im Miteinander und Nebeneinander menschlicher Beziehungen. Die Parabel „Oberösterreich“ hat uns auch jetzt noch was zu sagen. Der Autor selbst zieht sich allmählich zurück. Nach 40 Jahren Schreiben und exzessivem Leben fühle er sich ausgebrannt.

 











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