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30.06.07 - 17:08 Uhr

Der ideale Krieg


Diese Rezension beginnt mit einem Outing und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie von einem völligem Breakdance-Greenhorn geschrieben wurde. Also: Mein Name tut nichts zur Sache, ich bin 52 Jahre alt und habe soeben meinen ersten Breakdance-Battle erlebt. In diesem Sinne sollten fachkundige Hip-Hoper und Breakdancer Nachsicht üben, wenn manche Fachausdrücke fehlen - denn möglicherweise hätte ich die mühsam erlernten falsch angewandt und hätte die "Ones and Twos" den Moderatoren zugeordnet und nicht (wie ich glaube zu wissen) den DeeJays usw. usw. Trotzdem - ich will es versuchen:

 

In der wahrscheinlich geilsten Location im Umfeld von Salzburg, dem EmailWerk Seekirchen, saßen 300 Zuschauer wie in einer Arena auf Rängen und locker rund herum, so dass von einem Gedränge am Circle keine Rede sein konnte und jeder beste Sicht genießen konnte. Auch der oftmals unterschätze Faktor Bühnenlicht muss erwähnt werden, denn was Lichttechniker Achim Fromm hier zauberte, war (für einen HipHop-Neuling) das "mit Abstand Beste seit langem", wie mir Beatboxer Sascha in russischem Akzent glaubhaft versicherte. Russland war nur eine von 12 Nationalitäten, die sich zu diesem Battle getroffen hatten. Eine weitere Besonderheit: Das Fest stand ganz im Zeichen von Alkohol- und Drogen-Freiheit. Bitte nicht missverstehen: Nicht Freiheit für Alkohol und Drogen war gemeint, sondern ein Event, der ganz ohne diese Dinge auskam, in Zeiten von Koma-Saufen eine wahre Sensation!

 

Kommen wir kurz zum LineUp: An den Ones and Twos stand nur einer:

DeeJay Ice, der massig Old School Breaks und 80er Breakdance Sound auflegte. Es gab drei Jugdes, deren Namen ich nicht recherchiert habe und zwei Moderatoren (da fehlt mir schon wieder der richtige Fachausdruck), die unglaublich Stimmung machten und perfekt durch den Battle führten. Im Battle, der ein wesentlicher Bestandteil des Breakdance ist, stehen sich die Dancer jeweils zu zweit gegenüber.

Der eine antwortet auf die Tanz- und akrobatischen Bewegungen des anderen. Dabei kommt es darauf an, einen eigenen Stil zu entwickeln und abwechslungsreiche Tanzkombinationen zu zeigen. Für einen Neuling wie mich war das derart faszinierend, dass ich die Zeit regelrecht vergaß. Die Atmosphäre, die über dem ganzen Battle lag, war geprägt von einem Gefühl des friedlichen Miteinanders, wie ich es schon seit langem nicht erlebt habe. Der Grund dafür ist wahrscheinlich in den Wurzeln des Hip-Hop zu suchen, der in den 1970er Jahren in den schwarzen Ghettos New Yorks entstanden ist und derzeit wohl die Jugendkultur in unseren Breiten darstellt, der das multikulturelle Miteinander in einzigartiger Weise fördert und gerade Jugendlichen mit Migrations-Hintergrund oder aus sozial benachteiligten Schichten entgegenkommt. Kreativität ist das eine Schlüsselwort, eine tänzerische und akrobatische Virtousität zu erwerben der zweite, schweißtreibende Teil. Im spielerischen Wettkampf ergibt sich ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Die Breakdancer erhalten Anerkennung ohne Diskriminierung fürchten zu müssen. Der harte Beat baut Aggression und Frust ab. Den ganzen Abend war zu spüren, dass das Medium Tanz es leicht macht, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zu akzeptieren. Möglicherweise hat mir meine Begeisterung den Blick ein wenig verklärt, aber ich habe in eine Welt geschaut, wie sie im Ideal sein könnte...

(lf)

 

 

 

 











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