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30.09.07 - 10:11 Uhr

Situationsexzessor


Karl Valentins Einzigartigkeit als Komiker beruhte vor allem auf seiner Sprachkunst und seinem Talent, aus einer mickrigen Belanglosigkeit eine geräumige Katastrophe zu inszenieren. In Ihrem neuen Programm „Karl Valentin - Nur noch lange Zeit“ ließen die begnadeten Schauspieler Anita Köchl und Edi Jäger ihrem uferlosen komödiantischen Talent, ganz im Sinn des Altmeisters, freien Lauf. Im ausverkauften Emailwerk tobte der Ungeist Valentins und seiner Partnerin Liesl Karlstadt durch ein zurücktobendes Publikum.

 

Theaterkarten waren das absolut Böse. Kisten vom Nachbarbauern holen eine größere Herausforderung als H. Hinterseer in schwarzen Moonboots zu fotografieren. Die "Semmelnnnknödelnn" waren noch die verdaulichste Komplikation der großartigen Vorstellung. Köchl und Jäger interpretierten Valentins Sketches herrlich treffend, ohne zu verabsäumen, die Klassiker nach eigener Rezeptur ordentlich nachzuwürzen.

 

Darüber hinaus wurden die Botschaften Valentins, durch die Bereicherung einiger Szenen mit zeitgenössischen Ergänzungen wie den Simpsons oder George Bush, noch realer und dadurch noch komischer.

In der Darstellung der verschiedenen Charaktere detonierten die Akteure zu einem Universum aus urkomischen Dialekten und Facetten der Einfalt. Die bedingungslos ernsthafte Wiedergabe der absoluten Beschränktheit konnte beinahe Mitleid erregend sein und man begann sich zu fragen, wie das Leben so ist, mit einem IQ, der 5 Punkte über einem Knochen liegt.

Der zweite große Applaus ging an das bestechend puritanische Bühnenbild, gleich einer Ablichtung der zurückhaltenden Gehirnaktivität der dargestellten Figuren. Grauweiße Muster auf Hintergrund und Kostümen, ein paar Kisten - und Kopfbedeckungen, die allein im innersten Kreis der Hölle erdacht worden sein konnten.

 

In vielen Sketches war es wundervoll mitzuerleben, wie Köchl und Jäger, ganz nach Valetin'scher Manier, aus einer Aufgaben-Singularität ein unüberschaubar absurdes Denklabyrinth entwickelten, in dessen vernebelten Irrwegen sich die Charaktere hoffnungslos verliefen. Und während sich das Publikum noch die Tränen aus dem lachenden Auge wischte, verpuffte der Spuk zumeist mit einer staubtrockenen Meldung wie „Und am Ende war Schluss“.

 











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