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19.10.07 - 16:18 Uhr

Erde lebt


Im Vortrag von Wolfgang Buntrock und Frank Nordiek zum Thema Land Art (dt: Landschaftskunst; amerik: Earthworks) machen die beiden deutschen Landschaftskünstler vor allem eines deutlich: Diese Kunstform hat eine wortwörtlich breite Spielwiese.

 

Das Fehlen exakter Definitionen, was denn nun Land Art sei und was nicht (mehr), definiert diese Kunstform wohl am besten. Vielleicht ist es der fehlende praktische Bezug, der eine „Land Construction“ zur Land Art macht. Man denke zum Beispiel an die kunstvoll geflochtenen Zäune, die mit unendlich viel Arbeit und handwerklichem Geschick manches Weidegebiet umschließen. Oder die vielen Stoamandln und Steinterrassen, die in den heimischen Bergen anzutreffen sind. Kunstvoll sind diese Bauten allemal und doch noch nicht Kunst im allgemeingültigen Sinn.

 

Die Kunstform Land Art und ihre Darsteller wie Buntrock und Nordiek, zur Zeit zu Gast im Emailwerk in Seekirchen, befreit sich vom örtlichen und materiellen Zwang einer Zwecknotwendigkeit und nutzt den so gewonnenen Raum zugunsten von Schönheit und Sinn.

 

Einer der spannendsten Aspekte der Land Art ist sicher die Miteinbeziehung einer zeitlichen Komponente, sprich der durchaus gewollten Vergänglichkeit vieler Werke. Zwar sind einige Projekte, speziell jene brachialeren Umfangs wie „Double Negative“ von Michael Heizer (eine riesige, in den Fels gesprengte Schlucht oder der „Vertical Kilometer“ (eine Metallstange die einen Kilometer in die Erde reicht) von Walter de Maria, für die Ewigkeit gemacht, die überwiegende Mehrheit spielt aber mit der verrinnenden Zeit als vierten Aspekt neben Material, Form und Farbe.

 

So beeindruckend und bezaubernd die fertigen Installationen auch sind, ganz besondere Bedeutung kommt in der Landschaftskunst dem Entstehungsprozess zu – und hier unterscheidet sich diese Kunstform wiederum deutlich von anderen. Das Erspüren und Kennenlernen von Material und Umgebung, vor dem eigentlichen Kreativprozess, ist integraler Bestandteil der schöpferischen Arbeit. Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten vor Ort, mit Umwelteinflüssen wie Wetter, Temperatur oder Licht machen die Landschaftskunst unendlich reich an inspirativen Quellen.

Die Teilnehmer des Workshops um Buntrock und Nordiek, die gerade mit dem Kaltwettereinbruch am 19. Oktober 2007 ihre Land Art-Seminar im Wenger Moor beginnen, werden auch zuallererst lernen müssen, dass sie nicht hier sind um Kälte, Feuchtigkeit und Wind zu trotzen, sondern, dass die Natur ihnen ebendiese Bausteine zum Geschenk macht, um daraus ein lebendiges Stück Kunst und Erde entstehen zu lassen.

 

Viel Spaß euch da draußen!

(mw)

 

 











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