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26.11.07 - 10:43 Uhr

Dieser eine Moment


Dass es ein Abend zum Nachdenken werden würde, ein Abend, der zum Diskutieren einlädt, war abzusehen. Erika Rosenbergs Nacherzählung von Emilie Schindlers Schicksal hatte aber auch etwas desillusionierendes. Keine Trompeten und Fanfaren, keine Ehrungen, nur das stille Altwerden einer Frau, die ihn erlebt hatte – diesen einen Moment, an dem ein Mensch zum Helden wird.

 

Keiner der Besucher im Emailwerk an diesem Abend hatte wohl erwartet, eine ähnlich spannende und heroische Geschichte voller Aufopferung und Wagemut zu hören, wie sie mit Spielbergs Hollywood-Streifen „Schindlers Liste“ einem Millionenpublikum vorgeführt wurde. Wie einsam, ja zum Teil gar bemitleidenswert, das Leben von Emilie Schindler nach Kriegsende verlief, hatte aber auch niemand erwartet. Sie wurde von Ihrem Mann betrogen, verlassen, verbrachte die Hälfte ihres Lebens mit Schulden im Exil.

 

Nein, Oskar Schindler war kein Bilderbuchheld. Er war Lebemann, Kriegsgewinnler, seine Intention war das Streben nach Geld und Wohlstand. Er arrangierte sich mit allem und jedem, selbst mit dem für seine Grausamkeit und Willkür gefürchteten Lagerkommandanten Amon Göth. Oskar Schindler war prinzipienlos, wenn es um seine eigene Tasche ging. Je länger der Krieg aber dauerte, desto schwieriger wurde die Aufrechterhaltung eines gewinnbringenden Geschäfts. Desto schwieriger wurde es, Arbeiter zu bekommen und umso mehr musste sich Schindler mit diesem Thema auseinandersetzen. Schließlich war es auch das Miterleben der anhaltenden Brutalität, mit der die jüdischen Gefangenen und Arbeiter behandelt wurden, die Schindler anwiderte und zum Umdenken veranlasste.

 

Es gelang Emilie und Oskar Schindler, ihre Fabrik und ihre Arbeiter als kriegswichtig einstufen zu lassen und sie somit dem Zugriff der SS zu entziehen. Das war der Moment von Oskar Schindler, in dem er sich von Geld und süßem Leben verabschiedete und sich für die Unterdrückten und Gefolterten entschied - er hatte ihn nicht verpasst. Obwohl er mehrmals von der Gestapo verhört wurde, kämpften er und seine Frau Emilie von da an, mit ihrem Geld und ihrem persönlichen Einsatz, für ihre Arbeiter und noch einige Menschen mehr, die sie, auch dank der Zusammenarbeit mit jüdischen Untergrundorganisationen, in ihrem Unternehmen unterbrachten und so vor dem sicheren Tod in den Gaskammer bewahrten. Und obgleich die Schindlers noch gute Kontakte zum Naziregime unterhielten, war die Gefahr, dass die eminente Willkür der Machthaber sie plötzlich zu Judenfreunden stempelte, außerordentlich hoch und eine allgegenwärtige Bedrohung.

 

Emilie Schindler war während dieser Periode nicht nur die treue Begleiterin ihres Mannes, sondern beteiligte sich ebenso aktiv an den Rettungen und wurde dafür auch an der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Auch Sie nahm, wie ihr Mann, diesen einen Moment an, in dem eine Entscheidung des Herzens einen Menschen zum Helden macht. Dass sie dennoch, im Vergleich zu Oskar, zeitlebens für ihren Einsatz praktisch unbedankt blieb, verbitterte Emilie Schindler sehr. Und es ist keine Ehre, dass nahestehende Menschen wie Erika Rosenberg das Schicksal dieser Frau einigen wenigen Interessierten näher bringen kann. Es ist eine Schande, vor allem für die Politik und den guten Journalismus, die sich nicht die Mühe machen, die wenigen Menschen, die ihren Moment nicht verpassen, als Beispiele für Courage und Mensch-Sein in der Geschichte zu verewigen.

 

Emilie Schindler erhielt vom deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog für ihre Hilfe zur Rettung von ca. 1.200 Menschen im Alter von 87 Jahren das Bundesverdienstkreuz zweiten Grades

 

Steven Spielberg erhielt das Bundesverdienstkreuz ersten Grades für den Film „Schindlers Liste“.

 

 











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