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24.12.07 - 13:01 Uhr

Liederlich


Die Kunst, Unterhaltung mit Tiefgang, Humor mit Subtilität und Gefühlsregungen ohne Flitter zuwege zu bringen, ist eine solche. Hierzu bedarf es eine Form der Kreativität, die, neben der zurzeit modernen und oftmals geistlosen, Bauzaun-Provokationskunst, beinahe ins Abseits gedrängt wird. Es erfordert einfach zuviel geistige und kreative Eigenleistung und das ist einigen Kunstschaffenden schlicht zu anstrengend. Innerhalb der Seekirchner Herrenformation Stimmlos, entfaltete sich die Kombination, geistreiche Unterhaltung mit bestechendem Vokalgesang, zum Adventstern am gedankenleeren Vorweihnachtshimmel.

 

Das Adventprogramm Weichnacht.Lieder.Basteln, kurz WLB, übertraf die zweifellos hohen Erwartungen des verwöhnten Stimmlos-Stammpublikums wieder um einige Glitzersternchen. Der vokale Gabentisch auf der Bühne bog sich unter der Last der besinnlichen, heiteren aber größtenteils urkomischen Liederfolge und vor der Bühne bog sich das Publikum vor Lachen.

Eine feines Tongebilde aus Lametta und Strohsternen, mit dem Titel >Silence is Golden< diente den acht Herren gleich zu beginn als gefühlvolles Netz, in dem sich die Zuhörer hoffnungslos verfingen und für den Rest des Abends dem Bühnentreiben verfielen. Von da an ging es herbergssuchend vorbei an Schubert zur linken, weiter zu Veronika (die mit dem Lenz) und über ungeküsste Prinzen bis zum gschupft’n Ferdl. Dazwischen sang man Weihnachtliches.

Damit das Auditorium bei der wilden Fahrt nicht vollends die Orientierung verlor, moderierte Gruppengeologe Paul Herbst durch das Programm und spannte verirrte Zuhörer wieder vor den gemeinsamen Schlitten. Vom sprichwörtlichen Weihnachtsgedanken beseelt, erzählte Herbst von der „dark side of Christmas“, von Schotten, die quasi Kelten sind, von Römerlatein und allerlei anderen offensichtlichen Unzusammenhängen – solange bis das Publikum Weihrauch brüllte. Seit dem 22.12.2007 muss auch die These, dass alle Wege nach Rom führen als widerlegt betrachtet werden. Herbst bewies, anhand einer Unzahl beweiskräftiger Fallstudien, dass, egal woher man oder etwas kommt, man ganz sicher beim nächsten Stimmlos-Lied landet – quod erat demonstrandum.

Die musikalische Überraschung des Abends, war aber zweifellos der Auftritt des Lapland-Symphonic-Orchestra. Die achtköpfige Union begnadeter Instrumentalisten, hätte die Gastgeber beinahe etwas pausbäckig aussehen lassen, wenn die Stimmlosen ihre Kontrahenten nicht gerade noch rechtzeitig mit >Guten Abend, Gute Nacht< über den Polarkreis heimgeschickt hätten.

WLB stand für einen berührenden Abend, irgendwo zwischen liederlich und selig. Publikum und Protagonisten verabschiedeten sich mit einem gemeinsam gesungenen und darob sehr ergreifenden >Stille Nacht< voneinander – vielleicht ist das der Geist der Weihnacht.

 











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