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09.02.08 - 11:18 Uhr

Wenn mir's nur gruselte!


"Ein Vater hatte zwei Söhne, davon war der Älteste klug und gescheit und wusste sich in alles wohl zu schicken, der Jüngste aber war dumm..." Das ist der erste Satz des Grimm`schen Märchens: Von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen. Es handelt von einem Burschen, der vermeintlich nur zu Wenigem taugt, aber schließlich doch König, Königstochter und Königreich für sich gewinnt. Der Bursche ist groß gewachsen, aber kein junger Herkules, und er ist auch keiner, den man, weil es um einen Sohn kleiner Leute geht, blitzgescheit nennen könnte. Aber: Er ist furchtlos wie kein anderer, und seine herzhafte Ungeniertheit sucht weit und breit ihresgleichen.

 

Wahrlich ein Heldenbild, das eigentlich keinen hinter dem gemütlich- winterlichen Ofen hervorlocken sollte. Schon gar nicht, wenn vor dem Ofen vielleicht auch noch ein Fernseher steht. Doch hier entfaltet sich die Kraft des Theaters, der menschlichen Kreativität einer Fantasie anregenden Inszenierung, die dem Regisseur Reinhold Tritscher und seinem Choreografen Ulf Kischhofer wieder einmal vortrefflich gelungen ist. Eine temporeiche, poetische und bunte Grimm-Geschichte zog 200 kleine und große Menschen in zwei Vorstellungen in ihren Bann.

 

Deutlich konnte man sehen, dass Kinder für eine gute Gruselgeschichte empfänglicher sind als Erwachsene, denn sie sind noch offen für alles Unerhörte und Ungesehene. Und wurde (in einem anderen Landstrich) die eine oder andere Kritik an der Offenheit der Grimm`schen Darstellung laut - entschärfte, harmlose Gruselgeschichten verfehlen ihre Wirkung. Die geheimnisvollen Szenarien, die die Klassiker des Genres für uns entfalten, entsprechen vor allem der berechtigten Sehnsucht von Kindern und jungen Menschen über den Rand unserer scheinbar geheimnisvollen Alltagswelt hinauszuschauen. Die intelligent bescheidene Ausstattung der Bühne trug das ihre dazu bei.

 

Bleibt eigentlich nur noch, den Darstellern für diese Meisterleistung zu gratulieren: Samira Nabie, Dunja Bernattzky, Daniel Bucher, Markus Kofler, Jurek Milewski, Jurij Diez - danke.

Rupert Bopp - was Du hier an musikalischer und atmosphärischer Stimmung beigetragen hast, raubt auch dem letzten Zweifler an Gruselmärchen die Sinne, und wer immer der Synchronsprecher der Tarantel war, ist qualifiziert für höhere Weihen...

 

Mir hat´s die ganze Zeit gegruselt.

(lf)

 

 

 

Märchenstunde.

 

Am 8. Februar füllten Kinder und Erwachsene das Emailwerk wieder einmal bis unter das Dach. Ein klassisches Volksmärchen der Brüder Grimm „Einer der auszog das Gruseln zu lernen“ stand auf dem Spielplan. Das Theater ECCE ließ eine alte Geschichte wieder zum Leben erwachen – die Kinder lebten mit.

 

„Einer der auszog das Gruseln zu lernen“ ist eines der frühen Märchen der Gebrüder Grimm und erschien erstmals am 20. Dezember 1812, im ersten Band der „Kinder und Hausmärchen“ der Brüder, damals noch unter dem Titel „Gut Kegel- und Kartenspiel“. Wie in vielen Märchen, geht es auch in diesem ganz ordentlich zur Sache: Mitternächtliche Kirchtürme, Gehenkte, Katzen mit Feueraugen und noch andere gruselige Gestalten treiben ihr Wesen in dieser Geschichte.

 

Regisseur Reinhard Tritscher hält sich inhaltlich eng an das Original, die Art der Inszenierung ist jedoch hinreißend komisch und zugleich spannend bis zum Schluss. Wie intensiv die Kinder das Stück erlebten, zeigten die ständigen Zwischenrufe, die die Figuren in der Geschichte manchmal warnen sollten oder manchmal einer helfenden Hand glichen, meist aber einfach nur dazu dienten, der inneren Spannung Herr zu werden.

 

Es ist für uns Erwachsene tröstlich, dass diese Volksmärchen Kinder genau so in ihren Bann ziehen, wie alle Kindergenerationen zuvor. Dass es, neben den vielen Entwicklungen, die eher geeignet sind Generationen zu trennen, auch noch verbindende Elemente gibt, die seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten Bestand haben. Wenn ein großartiges und spannendes Kindermärchen dann auch noch mit soviel schauspielerischem Können, soviel Liebe zum Detail und Hingabe inszeniert wird, wie an diesem Tag vom Theater Ecce, dann braucht es nicht weiter zu verwundern, dass so viele dieser Märchen unsterblich geworden sind.

(mw)

 

 











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