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10.02.08 - 16:55 Uhr

Poetischer Tiefgang


In meinem mp3-Verzeichnis auf meiner Festplatte findet man in der Kategorie Singer/Songwriter zwei Namen unter R. Regina und Renate. Eigentlich völlig unprofessionell und inakzeptabel, das Verzeichnis nach Vornamen anzulegen, aber... egal. Zwei Namen untereinander geschrieben: Regina Spektor, Renate Hornstein.

Viele werden sich nun fragen: Wer sind die beiden - was haben sie miteinander zu tun? Auf den ersten Blick eigentlich nichts, auf den zweiten durchaus: Beide sind Songwriterinnen im besten Sinne des Wortes, beide sind sinnlich schöne Frauen mit poetischem Tiefgang und grenzenloser Musikalität, beide sind annähernd im selben Alter. Man könnte den Vergleich noch weiter treiben - während Regina Eltern, eine Musiklehrerin und ein Fotograf aus Russland 1986 über Österreich mit ihrer damals 6 Jahre alten Tochter nach USA auswanderten, besuchte Renate, Tochter zweier Cellisten in Wien gerade den Kindergarten - hier liegt der eigentlich theoretische Schnittpunkt zwischen den beiden Frauen - in Wien.

Regina zog weiter - Renate blieb da. Ich komme später darauf zurück.

 

Es geschah am Abend des 9. Februar 2008 im EmailWerk Seekirchen, Johanna Gröbner (piano), Lina Neuner (double bass) und Rainer Deixler (drums) betreten die Bühne und beginnen ihr Spiel, Renate Hornstein erscheint Minuten später und lässt ihre Stimme in den Fluss der Instrumente hineingleiten. Das Publikum hielt den Atem an, vor allem, um nicht durch das rasselnde Atmen auch nur einen Ton zu verpassen, denn alle hatten das Gefühl: Hier passiert etwas ganz Außergewöhnliches. Etwas, dass eigentlich einige Nummern größer war, als es in diesem Umfeld hier erschien. Und doch - gerade diese Intimität des Raumes, der Menschen in ihm, die Dunkelheit, das die Lieder von Renate Hornstein geradezu umfing wie ein weiches, nächtliches Kissen, das alles war so überdeutlich spürbar, dass man das Gefühl hatte, bei der Geburt eines neuen Talents dabei zu sein. Mitnichten, von neu kann keine Rede sein, viele Jahre schreibt und arbeitet Renate Hornstein schon in diesem Genre, das in Österreich sicher nicht zu den leichtesten gehört.

 

„Die Suche nach Schnittpunkten der Klarheit konkreter inhaltlicher und musikalischer Elemente und dem puren sinnlich bauchigen Klangerlebnis ist für mich ein wesentlicher Zugang zur Musik. Meine Texte und Stimmmelodien entstehen fast durchwegs gleichzeitig, deshalb empfinde ich Worte nicht als Alibi für den Gesang, sondern sie sind mit der Idee und dem Wesen jedes einzelnen Stückes untrennbar verbunden und daher unverzichtbar gleichberechtigter Bestandteil meiner Musik," beschreibt Renate Hornstein ihre Arbeitsweise. Wenn man sie auf der Bühne erlebt hat, wird deutlich, was sie meint: die Homogenität von Text und Musik, die Klarheit ihrer Interpretation, die bestechende Kreativität in ihren Kompositionen.

Am deutlichsten leuchtet ihr Stern, wenn sie allein, oder nur mit der Bassistin Lina Neuner interpretiert.

 

Zurück zur Einleitung, wie versprochen. Regina zog weiter - Renate blieb da. Genau in diesem Umstand liegt der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Ausnahme-Künstlerinnen: Während Regina einem theoretischen Publikumsmarkt von 292 Millionen Menschen in den USA gegenübersteht, tourt Renate Hornstein durch Österreich, nicht minder gefeiert und geschätzt, doch mit viel, viel weniger Chancen auf Durchsetzung am Musikmarkt - davon leben zu müssen und zu können, steht noch einmal auf einem anderen Blatt.

 

Doch um mit etwas Positivem zu enden: Wäre Renate damals mit Regina weiter gezogen, hätten wir diesen magischen Abend des 9. Februar 2008 wahrscheinlich nie erlebt...

(lf)

 

 











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