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15.02.08 - 22:08 Uhr

Durch Zahnschmerzen zum Lebenstraum


Am 14. Februar führte das Theater Mokrit aus dem Lungau das Stück „Die dumme Augustine“ im Emailwerk auf. Basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Otfried Preußler und Herbert Lentz, erzählte das Ensemble eine Geschichte über klassische Rollenverteilung versus Selbstverwirklichung.

 

ER geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause, SIE führt den Haushalt, kümmert sich um die Kinder und träumt von einem erfüllten Leben. Die Kinder sind laut, zanken sich, folgen mehr oder weniger...

 

1972, als das Buch erschien und die weibliche Emanzipation noch eine ketzerische Bewegung war, die selbst von vielen männlichen 68ern bestenfalls geduldet wurde, war die Geschichte der dummen Augustine ein gesellschaftlich wertvoller Ansatz in Richtung Gleichstellung von Jungs und Mädels. Und obgleich die beschriebene Organisationsform noch immer die absolute Mehrheit hat, führt der Weg doch langsam in Richtung große Koalition. (wobei wir hoffen, dies bleibt die einzige Parallele zur österreichischen Politkultur!)

 

Auf der Kinderbühne ist „Die dumme Augustine“ heute eine schöne Familiengeschichte, in der, wie so oft, der Zufall einmal kurz das Ruder übernimmt und damit dem Fortgang eine Wendung zum Guten gibt. Vater Clown hat furchtbare Zahnschmerzen, droht wegen dem Arztbesuch seine Vorstellung zu versäumen und öffnet so (noch ungewollt) seiner Frau Augustine den Weg in die Manege und damit zu Ihrem Lebenstraum. Sie fasst sich ein Herz und allen Mut zusammen und vertritt Ihren Mann in der Vorstellung – ein Erfolg mit Pauken und Trompeten.

 

240 Kinder von zwei bis zehn Jahren sitzen auf bunten Polstern im Zuschauerraum des Emailwerks, sodass man keinen Fußbreit Boden mehr sieht und freuen sich aufrichtig und von Herzen für Augustine – Theater für Kinder ist einfach Spitze.

 

Die Darsteller (August: Franz Zaller; Augustine: Ehrnie Wimmer; „KOKO“: David Wimmer (14); „TINI“: Johanna Zaller (15); „MAX“: Markus Zaller (12); „KUKI“: Simon Zaller (9); Zirkusdirektorin: Gerda Strauß) bringen viel echtes „Familienfeeling“ in ihre Rollen ein und sorgen so dafür, dass trotz der tollen schauspielerischen Leistung genug Wirklichkeit übrigbleibt, um das Stück nicht ins Reich der Märchen zu verbannen und damit die Botschaft zu schwächen.

 

Im „wirklichen Leben“ und vor 35 Jahren, hätte Vater seine Frau für ihre Respektlosigkeit womöglich noch heruntergeputzt und ihr nahegelegt, sie solle das kein zweites Mal versuchen. Heute passiert glücklicherweise, was im Stück passiert: Vater erkennt das große Talent seiner Frau, bereut seine Vorurteile zutiefst, die Kinder jubeln und fortan beschließt die Familie, Clownerie und Haushalt gemeinsam anzugehen. Ist doch so...

 

Nun, die Kinder im Emailwerk haben gejubelt, ihnen hat die Geschichte und haben die Darsteller sehr gut gefallen.

(mw)

 











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