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02.03.08 - 11:57 Uhr

Rückenwind – Gegenwind – Nordwind


Nicht viele Veranstaltungen werden mit soviel Spannung erwartet wie das Bühnenstück „Gut gegen Nordwind“, in Szene gesetzt vom Schauspielerduo Anita Köchl und Edi Jäger. Die einen fieberten der Salzburger Erstaufführung im Emailwerk entgegen, weil sie das Buch von Daniel Glattauer bereits gelesen hatten und voller Neugier auf die Bühnenfassung waren. Die anderen vertrauten auf die Namen Köchl und Jäger, die Garant für packende Theaterabende sind. So auch am 1. März.

 

Die Befürchtung, dass ein gutes und fesselndes Buch mit einem Regie-Vorschlaghammer in ein Theaterstück gepresst und so aus einer aufregenden Geschichte ein kultureller Hygiene-Artikel gemacht wird, war in jeder Beziehung gegenstandslos. Die schlichte und deswegen scharf treffende Regie von Fabian Kametz und zwei maximale Schauspieler schafften es tatsächlich, die ohnehin atemlose Buchvorlage noch um einige „Sicht“weisen" zu bereichern.

Es war förmlich zu greifen, wie jene Zuschauer, die das Werk bereits gelesen hatten, nur wenige Szenen benötigten, um ihre bisherigen Gedankenbilder beiseite zu legen und von Köchl und Jäger neu zeichnen zu lassen.

 

Der wesentlichste Aspekt, um den das Stück gegenüber der Druckversion angereichert wurde, war die schauspielerische Reaktion des jeweiligen Empfängers. Ergänzend zum, naturgemäß nach Schema quid pro quo laufenden, Emailverkehr des Buches, baute sich auf der Bühne, in Form der leibhaftigen Reaktion von Leo und Emmi, zusätzlich zur elektronischen Kommunikation noch eine Parallelhandlung auf. Als ob das Publikum eine Art Backstage-Karte für die reale Welt des Tastaturpärchens hätte, erlaubte die Inszenierung bewegende Anblicke von Emmi und Leo in Fleisch und Blut, hinter den Computerbildschirmen.

 

Mit wie viel Kraft und Ausdauer Köchl und Jäger die Spannung in diesem überlangen und sich in der Intensität ständig steigernden Stück, nicht nur am Leben erhielten, sondern auch noch hinaufschraubten, war kolossal. Jedes Hoch und Tief, und „Gut gegen Nordwind“ besteht aus nichts anderem, wurde von beiden so glaubwürdig und ja – effektiv – wiedergegeben, dass die Zuschauer an diesem Wechselbad ungefiltert mitfühlen konnten. Es war zu spüren, wie es das Publikum befreite, wenn die funkenspritzende Spannung an den komischen und satirischen Momenten etwas nachließ und erlösend gelacht werden durfte.

Was Emmi und Leo zusammen erleben, ist erhebend und bedrohlich zugleich und trifft damit den Kern einer jeden echten Liebesbeziehung. Noch bevor der Verstand es erfasst hat und die Vernunft es zugeben möchte, haben sich Herz und Seele bereits vollends hingegeben. Während die Ratio von Emmi und Leo sich noch schriftlich annähert, weiß Eros schon längst, was es geschlagen hat.

„Gut gegen Nordwind“ betrachtet auf amüsante, dramatische und stellenweise aufreibende Weise, einige Wesenszüge der Liebe, gegen die wir glücklicherweise noch immer machtlos sind. Liebe fragt nicht um Erlaubnis, Liebe ist nicht nur Glücksgefühl, sondern tut auch weh, Liebe lässt sich nicht in ein geschütztes Habitat sperren und selbst der vernunftbegabteste und nüchternste Charakter kann nicht lieben, ohne ganz eifersuchtsfrei zu bleiben, sollte es auch noch so irrational sein.

 

Es gab an diesem 1. März wohl niemanden im Auditorium, auf den nicht ein Hagel emotionaler Déjà-vus niedergegangen wäre, den zwei sensationelle Schauspieler und eine grandiose Geschichte auslösten. Und vielleicht saß auch die eine Emmi oder der andere Leo im Publikum. Zu hoffen wäre es. Denn ganz gleich ob diese Geschichte nun so oder so ausgegangen ist - Liebe ist immer einen Versuch wert.

(mw)

 

 











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