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21.04.08 - 16:33 Uhr

I steh auf meine Schuach.


Die Strottern und das Wienerlied haben sich sehr lieb. Die Strottern spielen das alte Wienerlied, das ganz alte Wienerlied, das fast neue Wienerlied und viele Eigenkompositionen als Vertreter des ganz neuen Wienerliedes. Bis auf letzteres, spielen sie es anders, als es die Tradition verlangt. Und die beiden sind so witzig, dass man sich – verzeihen Sie – beinahe in die Hosen macht.

 

Wenn man sich in Wien eines gesellschaftlichen Fehlverhaltens schuldig macht, zum Beispiel im Einbahn-Dschungel der Innenstadt, die falsche Richtung erwischt und darauf von einem Stammwiener liebenswürdig-laut gefragt wird „Homs bei dir einbrochn, Oida?“, kann man guten Gewissens davon ausgehen, es handelt sich um keine Mitleidsbekundung.

Der Wiener Schmäh ist für vieles bekannt. Für Einfallsreichtum, knackige Wortschöpfungen, schwärzeste Bösartigkeit, weniger für die feine Klinge oder gar vornehme Zurückhaltung.

Die Strottern (salzburgerisch: Sandler) erbrechen nicht sehr mit dieser Tradition. Ein wenig vielleicht. Klemens Lendl und David Müller lugen zwar ganz verstohlen hinter einem Glas Veltliner hervor, vielleicht aus Respekt vor dem hohen Alter des Wienerliedes, setzten dann aber doch zu einer recht geradlinigen Attacke gegen das üblicherweise komatöse Gesudel an. Mit Stimme, Geige und Gitarre im Hüftanschlag pflanzen sie dem Wienerlied bei voller Bewusstlosigkeit ein Billasackerl voller Wienerschmäh ein und schaffen damit eine Art Paradoxon: das sich selbst verarschende (hochdeutsch: parodierende) Wienerlied oder anders, den Wienerliederwitz. Die Schrammeln warten schon mit gewetzten Messern auf der anderen Seite...

Für uns Unbedarfte, die Strottern würden wohl sagen „geistig Bedürftige“, war es zum Schreien urkomisch, urleiwand und urgut. Habe die Ehre.

(mw)

 

 











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