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28.09.08 - 12:22 Uhr

Any Place but there


Any Place but there - wo sonst als im Emailwerk sollte sich wieder einmal ein besonderer Abend aus den Bausteinen geformt haben, die wir so lieben: Ein Jazz-Trio, ein blühender musikalischer Gedanke, geformt von einem Musiker, dem der Spannungsmoment zwischen "Nach-Innen-Hören und Nach-Außen-Drängen" so wichtig ist, dass er gleich einen Konzertsaal voller Jazz-Fans mit in diesen Moment hineinzupacken vermag, und zuletzt eine Atmosphäre, wie sie sonst nur bei der Entdeckung etwas ganz Außergewöhnlichem entstehen kann.

 

Das Außergewöhnliche an diesem Abend hieß mg3: Der Bandleader und Komponist Martin Gasselsberger am Flügel, Roland Kramer am Kontrabass und Gerald Endstrasser am Schlagzeug. Eine unglaubliche Homogenität ging von den drei technisch perfekt spielenden Musikern aus. Vom ersten Moment des Konzertes bis zum letzten Anschlag einer Klaviertaste war der Raum gefüllt mit einem weiträumigen, perkussiv atmenden Klang, der sich nicht immer nur am Genre Jazz orientierte.

Eine Musik, die Vieles möglich macht, Platz lässt für andere Einflüsse, die Augen der Zuhörer zum Schließen bewegen kann und die Phantasie zum Malen auffordert. Einen Höhepunkt bildete in dieser Hinsicht eine zärtliche Komposition mit dem Titel "Dreamworld", die das Publikum quasi mit einem Zauber belegte - eine fallende Stecknadel hätte wahrscheinlich das Haus zum Einsturz gebracht.

 

Dennoch ist dieses musikalische Konzept durchaus ein puristisch akustisches - von der Anlage eine Reminiszenz an den großen Neokonservativen des Jazzklaviers, der 1983 mit einem Trio Jazzstandards zu spielen begann - in einer Zeit also, als das Besonders out war. Es ist kein Geheimnis, dass gerade jener Keith Jarrett als einer der Vorbilder von Martin Gasselsberger gilt, aber bei diesem (denkwürdigen) Konzert im Seekirchner Emailwerk wurde deutlich, wie weit sich Gasselsberger schon von seinen Vorbildern gelöst und sich nun auf den Weg gemacht hat, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Und: man traut es ihm zu, dem sympathischen, erst 28 Jahre jungem Musiker, der auch auf eine augenzwinkernd trockene Art eloquent und direkt mit dem Publikum zu plaudern vermag - das Thema war ja am Wahlvorabend förmlich vorgegeben. So endete der Abend auch, wie er enden musste, Martin Gasselsberger einigte sich mit einem frenetisch applaudierenden Publikum auf zwei Zugaben und hielt Wort. Anders als bei seiner Musik: man kriegt immer mehr, als er verspricht...

(lf)

 

P.S.: Der Musikkritiker Thomas Lindemann meinte nach einem Keith Jarrett Konzert im Jahr 2007:

"Die Improvisation ist der einzige Ort, an dem Musik lebt und den Zeitgeist in Töne verwandelt. In der Klassik ist sie tot, im Jazz steht sie viel zu oft im Dienst rigider, althergebrachter Schemata.

Es gibt ganz wenige, die den musikalischen Gedanken laufen und blühen lassen.."

 

Wir meinen, Martin Gasselsberger ist einer von ihnen.

 











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