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12.12.08 - 15:14 Uhr

Das Märchen von der Eitelkeit


In einem Märchen werden schwierige Lebenssituationen mit einer phantastischen Rahmenhandlung verwoben. Die Lebenssituationen damit das Ganze „echt“ wirkt und man was lernen kann, die Fantasie, damit es nicht zu real wird und damit leichter anzunehmen ist. Liebstes Thema, weil am berührendsten – die Liebe. Das Ensemble des Theater Ecce spielte in „Der nackte König“ eine ganz zauberhafte Liebesgeschichte mit vielen echten Akzenten und wunderbar frischem Humor, abseits der gelernten Märchenklischees mit Hexen und Drachen.

 

Die Protagonisten in „Der nackte König“ sind allesamt herrlich menschlich und in ihrer Sprache aufregend pragmatisch. Die Hauptfigur Heinrich (von Beruf Schweinehirt) ist nicht der Hellste, schon gar kein verborgener Prinz, der da irgendwo schlummert und genau darum ist er auf so entzückende Weise in die Prinzessin verliebt. Die ist ihrerseits ebenso wenig prinzessinnenhaft, wie man es vielleicht von ihrem Rang erwarten sollte, sondern will ihrer Liebe, sehr zum Missfallen von Vater und Hofschranzen, mit küssen und herzen ordentlich Ausdruck verleihen.

 

Es kommt natürlich, wie es kommen muss. Vater König schiebt dem liederlichen Treiben einen großen Riegel vor und befiehlt der ungehorsamen Tochter die Heirat mit einem alten, hässlichen, chronisch grantigen und unsagbar eitlen Widerling Namens Modekugel – König Modekugel wohlgemerkt. Und jetzt sind wir im tiefsten Märchen. KEIN Vater würde seiner über alles geliebten Tochter jemals verbieten einen Schweinehirten zu heiraten und sich um eine bessere Partie umschauen - oder? ODER?!?

 

Zurück zur Geschichte: Heinrich, unterstützt von seinem Freund Christian, gibt selbstverständlich nicht auf. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, wie Heinrich seine Angebetete vom Hof dieses Königs entführen kann. Der erste Ansatz, die Prinzessin sollte sich so wenig adelig benehmen, dass der grauslige König von selbst das Interesse verliert, misslingt leider, trotz erdiger Wortkreationen wie „Oaschkrapferl“, „Nasenpopel“ oder „Intelligenzwüste“. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Prinzessin mittlerweile eine Gouvernante bekommen hat, die stark an eine Gefängnisaufseherin in der Ex-DDR erinnert. Aber wie im richtigen Leben findet die Liebe einen Weg – tut sie doch immer. So ersinnen Christian und Heinrich eine andere List und packen den König an seinem wundesten Punkt, seiner Eitelkeit (auch ein Unterfangen, das im echten Leben keine Aussicht auf Erfolg hätte). Als Weber getarnt fertigen sie dem debilen Monarchen neue Kleider aus einem einzigartigen Stoff, unsichtbar für unfähige oder dumme Hofangestellte.

Letztendlich steht der König am Tag der Hochzeit ziemlich nackt da, im wörtlichen und auch übertragenen Sinn. Der Rest ist Geschichte...

(mw)

 











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