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22.12.08 - 11:32 Uhr

VorHang auf


Es hätte keinen schöneren Jahresabschluss geben können. Manu Delago (Hang, Perkussion, Klavier) und Freunde (Isa Kurz: Klavier, Geige, Gesang; Philip Moll: Bass) schufen am 19. Dezember im Emailwerk mit ihrer Musik eine Stimmung, die in keiner Weise für sich in Anspruch nahm, weihnachtlich zu sein, diesem Prädikat aber wie keine Formation zuvor gerecht wurde.

 

Zwar zollten die drei KünstlerInnen dem allgegenwärtigen Weihnachtsfest gleich zu Beginn mit einem hinreißend berührenden „Es wird scho’ glei’ dumpa“ Tribut, die sich ausbreitende Behaglichkeit entsprang aber vielmehr dem musikalischen Charakter der Interpretationen, der über dem Abend schwebte wie weihrauchschwangere Luft.

 

Und dieser Charakter trieb irgendwo zwischen zartfühlender Sinnlichkeit und hauchiger Erotik. Der Sound war stellenweise fast auf der Haut spürbar, als ob man durch feinstofflichen Nebel treiben würde.

Der Klang der Gruppe setzte die Fantasie der Zuhörer in Bewegung. Ein Gast sprach nach dem Konzert von der Vorstellung, über Australien zu fliegen und von der Melodie immer weiter getragen zu werden. Eine andere Besucherin erinnerte sich während des Konzerts an Filme, die sie irgendwo, irgendwann gesehen hatte.

 

Manu Delago lässt seine Hanghang (ernsthaft, das ist die Mehrzahl von Hang) Spielarten enthüllen, die sie weit jenseits von anderen Perkussion-Instrumenten positionieren. Hin und wieder gebraucht er die linsenförmigen Schalen aus Stahlblech für den Rhythmus, viel lieber jedoch nutzt er das üppige Klangspektrum für Melodie und komplexe Harmonien. Ein witzig-vibrierender Tonteppich entstand, als Delago ein Hang kurzerhand umdrehte und mit dem Gu (sozusagen das Hinterteil des Hang) auf das Mikro zielte.

 

Eine Besonderheit des Abends entstand durch die Eintracht der Instrumente im Zusammenspiel mit der umwerfenden Stimme von Isa Kurz. Besonders aufmerksame Zuhörer konnten beim ersten Einsatz von Kurz dieses typische Raunen im Publikum vernehmen, das entsteht, wenn man seiner Überraschung für den Bruchteil einer Sekunde nicht Herr ist. Da sowohl der brillante Bassist Philip Moll, als auch Manu Delago in London ansässig sind, stehen Auftritte des Trios (Isa Kurz ist dem Tirolerischen noch treu) nicht auf der Tagesordnung. Umso beeindruckender, wie sehr die drei miteinander harmonieren. Bleibt die Überzeugung, dass man von jedem dieser AusnahmekünstlerInnen noch eine Menge hören wird. Hoffentlich auch als Band – Hang on.

(mw)

 











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