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27.03.09 - 10:37 Uhr

Wenn ich nur aufhör’n könnt!


Dass alte Liebe nicht rostet, ist keine neue Erkenntnis. Wer hat sie nicht in seinem Bekanntenkreis, die Paare, die irgendwie zeitlebens nicht voneinander loskommen und doch auch nie ganz zueinander finden? Veronika Kaiser und Manfred Pichler spielen im Stück Doppelfehler den ewigen Rosenkrieg und die vielen Frühlinge eines geschiedenen Paares mit Zukunft.

 

George und Allie kennen sich so gut und so lange, dass es längst keiner diplomatischen Formulierungen und zurückhaltender Gesten mehr bedarf. Was Sache ist, wird gnadenlos und frontal aufs Tapet gebracht.

 

ER behauptet, ihr Verstand sei teflonbeschichtet, merkt sich auf provokante Weise den Namen ihres Neuen nicht (Stan, Ben, Ken...) und fragt Minuten darauf, ob nicht ein Quickie drin wäre. SIE befetzt ihn mit vergangenen Versäumnissen, nimmt ihn wegen dem chronisch offenen Hosenstall auf die Schaufel, besäuft sich beim Warten im Café und möchte dann aber von ihm zurückerobert werden – romantisch wenn’s geht. Es folgt ein witziges, untergriffiges und energiegeladenes Hin und Her zwischen den beiden, das jeden denkbaren Gefühlszustand zwischen Liebe und Hass mit einbezieht.

 

Kaiser und Pichler spielen die Beziehung so gefühlsecht, wie das dünnwandigste Präserl – mit Lebergeschmack statt Erdbeere. Im vollen Saal wird ständig gelacht, geschmunzelt und man konnte vermuten, dass die Zuschauer während des Stücks von Hunderten Déjà-vus heimgesucht wurden.

 

Je länger das Stück dauert, desto mehr laufen die beiden Laiendarsteller zur Höchstform auf. Mit ungeschminkten Dialogen über Fischvergiftungen, Gelbfieber und andere Erlebnisse, die das Paar zusammengeschweißt und wieder getrennt haben, ziehen die beiden den vollen Saal in Ihre Geschichte.

 

Es bleibt die Frage, ob eine Beziehung, die einmal gescheitert ist, jemals wieder richtig funktionieren kann oder ob daraus ein Gewohnheitsarrangement oder eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft wird. George und Allie stellen letztendlich fest, dass sie sich genug lieben und achten, um sich loszulassen.

 

Als die beiden sich nach vielen Jahren wieder treffen, funkt es wieder ein wenig, aber eben nur deswegen, weil sie durch die Trennung die Gefühle füreinander am Leben erhalten haben, statt sie einer alles ermordenden Gewohnheitsbeziehung zu opfern.

(mw)

 

 











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