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05.04.09 - 10:23 Uhr

Und um mich flossen friedliche Töne aus


Was geschieht, wenn in einem authentischen Raum - der Nikolauskirche zu Waldprechting - Haydns großes Werk, geschaffen zur Besinnung auf die "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" erklingt? Wenn im Rahmen der Aufführung der Text des Schriftstellers Jean Paul mit dem Titel "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei" gelesen wird? Dann erfährt das Wort "Meditation" eine andere Bedeutung - ganz im Sinne der Komposition und des ursprünglichen Anlasses.

 

Denn im Jahre 1785 erhielt Joseph Haydn von einem Domherrn in Cadiz den Auftrag, für die Karwoche eine Art geistlicher Instrumentalmusik zu schreiben, in der die "Sieben letzten Worte des Herrn" Ausdeutung erfahren sollten. Der Komponist sagte zu und schuf "Sieben Sonaten mit einer Einleitung und am Schluss ein Erdbeben" für großes Orchester, die dann wahrscheinlich am Karfreitag des Jahres 1786 in der unterirdischen Kirche Santa Cueva aufgeführt wurden.

 

Alles erinnerte an diesem sommerlich anmutenden Samstagabend an dieses historische Ereignis, auch wenn zarte Sonnenstrahlen durch die Fenster der kleinen Kirche schimmerten, aber die klamme Kühle, die Enge, die eindringlichen Worte der exzellent lesenden Mirjam Jessa, versetzten das Publikum in eine ganz besondere Stimmung. Auch musikalisch war es ein Meisterstück des Salzburg Mozart Ensembles, die, wie von Haydn gewollt, die musikalische Spannung über die knappe Stunde Spieldauer hielten, eine Stunde, die bei intensivem Zuhören wie im Fluge verging.

 

Ein kühner Gedanke, der hier zelebriert wurde, Johann Pauls experimenteller Text mit den dunklen Todesgedanken, Seite an Seite mit einem Meisterwerk eines tiefgläubigen Menschen und eines musikalischen Visionärs. Nach einer Stunde höchster Andacht und musikalischer Tiefe erfolgte trotz Haydns Erdbeben eine Rückkehr in die Welt, ein sinniges Bild der Erlösung, denn am Ende wachte der Träumende aus den düsteren Visionen auf und das Bild dieser anderen Welt strahlte erlösend auf:

 

"Meine Seele weinte vor Freude, dass sie wieder Gott anbeten konnte - und als ich aufstand, glimmte die Sonne tief hinter den vollen purpurnen Kornähren und warf friedlich den Widerschein ihres Abendrotes dem kleinen Monde zu, der ohne eine Aurora im Morgen aufstieg; und zwischen dem Himmel und der Erde streckte eine frohe vergängliche Welt ihre kurzen Flügel aus und lebte, wie ich, vor dem unendlichen Vater; und von der ganzen Natur um mich flossen friedliche Töne aus, wie von fernen Abendglocken."

(lf)

 











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