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11.06.09 - 12:07 Uhr

Die Kraft der Wiederholung


Die kleinstmögliche Einheit durch die Kraft der Wiederholung zu einem Gesamtwerk zu formen - das war erklärtes Ziel der Choreografin Melina Fellinger in ihrer, am 9. Juni uraufgeführten interdisziplinären Tanzstudie mit dem Titel [less=more]. "Groß denken" dürfte in der Entstehungsphase ihr Motto gewesen sein, denn die Präsentationsebene war nicht wie üblich die Bühne, sondern gleich das ganze Emailwerk mit nahezu all seinen Räumlichkeiten. Ein begehbares Kunstwerk sollte es werden - das ist mehr als gelungen.

 

Den Kern der Inszenierung bildeten die beiden Tänzer Evelyne Wohlfahrter und Josef Haberl, die im ersten Stock des Hauses in der Künstlergarderobe ihre Bewegungen sitzenderweise und ganz im Sinn des Poetischen Minimalismus wie Uhrwerke abspulten. Sperrige Gesten und fließende Bewegungen harmonierten auf eigentümliche Weise, so dass es eine Art gestischer Tanz entstand, oft nur ein mikrogestischer Tanz, mit einem Nicken des Kopfes etwa oder beim Spannen und Entspannen der Schulterblätter. Die beiden Tänzer wurden mittels Videokameras in den Theatersaal auf verschiedenste Screens übertragen, also in ihre Bewegungs-Bestandteile zerlegt und medial wieder zusammengesetzt - und zwar ergänzt mit einem nicht unerheblichen Teil Off-Material auf zwei großen Projektionsflächen.

 

All diese visuellen Abläufe fußten auf einem Fundament - dem rhythmischen Klängen der beiden Musikern Hendrik Fellinger und Benjamin Jenichl, besser bekannt als „Pornokollektiv“. Die beiden haben sich der elektronischen Musik verschrieben und sind darin klar dem Genre Drum N Bass zuzuordnen. Mit ihrem minimalistischen Industrial-Sound bildeten sie den Herzschlag der gesamten Installation.

 

Für den Zuseher war das Spannende, dass jeder Teil der Studie begehbar war, sei es der Theatersaal und die Bar im Erdgeschoß (in die auch ein Teil der Tanzperformance übertragen wurde) oder die Empore, wo man den Musikern beim Live-Produzieren über die Schulter blicken konnte, bis zur Künstlergarderobe im ersten Obergeschoß, wo die beiden Tänzer stoisch und unbeirrt sitzend ihre Rolle spielten, wenn sie nicht gerade für ein kurzes Gastspiel eine andere Position im Haus einnahmen, und auf allen Screens einen leeren roten Stuhl zurückließen.

 

Der zeitgenössische Tanz ist seinem Wesen nach eine „unfertige“ Kunst, ständig auf der Suche nach sich selbst. Was die vier KünstlerInnen unter der choreografischen Führung von Melina Fellinger das faszinierte Publikum miterleben ließen, war das engagierte Ringen um eine erste eigene Handschrift, um Selbstvergewisserung und Vertiefung, um, wie utopisch auch immer, völlig neue Wege zu entdecken und zu entwickeln. Das Potenzial ist da - bitte unbedingt weitermachen. Wir gratulieren.

(lf)

 

 











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