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20.09.09 - 18:26 Uhr

Sex: Yes we try!


Über keine Realität lässt sich besser lachen, als über Sex. Das war zwar nicht die Botschaft, wohl aber das Conclusio des frivolen Abends mit Judith Brandstätter und Georg Clementi mit dem bescheidenen Titel „LiebeLust“. Im Emailwerk schauerte und bebte es. Zum einen des befreienden Lachens wegen, zum anderen ist es doch auch etwas in Wallung geraten, das Blut.

 

Pah – aufgeklärte Jugend. Von wegen! Schnitt um die 50. Ehrliche 50: Jahre, nicht Zentimeter. Nur im ersten Moment überraschend gewesen. Trotz aller Jugendarbeit - der Zugang zum Thema wird mit den Jahren natürlicher. Vielleicht ZU natürlich manchmal. Mit einer Neigung zum Pragmatischen dann. Hier passte der Abend genau. Um wieder etwas auferstehen zu lassen. Erinnerungen und damalige Gefühle, aber auch physisch.

 

Licht aus – nur der Schein aus den rötlichen Kerzengläsern bleibt. Sehr stimmig. Mann ist gespannt, Frau nicht minder.

Es war wirklich alles da. Brandstätter und Clementi vergessen nichts, aber auch gar nichts, in ihrem abendlichen Portfolio rund um Erotik, Sinnlichkeit und gnadenlos scharfen Sex. In wunderschöner Poesie streicheln sie das Thema. Spielen alles an, ohne es zu nennen. Erzeugen jede Fantasie, ohne sie zu zeigen. Wie man es eben von feinsinniger, gesellschaftsfähiger - wohl eher femininer - Erotik erwartet.

 

Worte wie Seide, die in endlos kreisenden Bewegungen nie ganz ans Ziel gelangen. Doch der Mann lauert bereits¬: Mit geöltem Hosenstall und einem ganzen Arsenal brutal-direkter Anspielungen, die den Namen eigentlich nicht mehr verdienen. Maskulines Highlight, obgleich aus IHRER Sicht geschildert. Die erste sexuelle Erfahrung mit dem angebeteten Dorfschönen. Die sehnsüchtig-mädchenhafte Hingabe an den – nein - nicht berauschenden, sondern besoffenen Stadl-Casanova. „Servas gemma“ als zärtliche Ouvertüre. Die Schwimmbad-Schaukel auf der nasskalten Freibad-Wiese als Wolke 7 der ersten Begegnung. Sanfte Küsse („Er maß meine Mundhöhle mit seiner Zungenspitze aus“). Und schließlich das „Grande Finale“, das Unvermeidbare, das große Wäääähhhhh in der feuchten Wiese. Die war auch das einzige…

Die jahrelang herbeigesehnte Begegnung findet schließlich ihr standesgemäßes Ende mit einem "Wossan denn mmeine Auddoschlüssl - so a Schaaas" des Ackerprinzen.

 

Das Publikum lacht Tränen. Womit wir wieder am Anfang sind.

 

Weiter geht es Schlag auf Schlag. Märchenstunden der anderen Art, weil die Prinzessin doch lieber in den Fängen des Drachen mit dem glühenden Glied bleibt, anstatt es mit dem 0-8-15 Gemächt des rettenden Ritters zu tauschen (Welche Frau würde da nicht gerne Prinzessin sein, oder Hexe, oder sonst etwas Drachenbegehrtes?). Von Muscheln, süßen Strömen und Gruppensex in vornehmen Kreisen ist die Rede und spielt das Lied.

 

Das Publikum vergisst manchmal sogar zu klatschen, weil es geil auf die nächste Pointe ist. Nichts bleibt verborgen, alles wird entblättert, ausgezogen, gefüllt, genommen, mal lyrisch-feinsilbig, mal derb wie im Bierzelt um 3 Uhr morgens.

 

Die beiden Schauspieler gehen in ihrer Rolle (?) richtig auf. Großartige Leistung, einfach toll. Schon lange nicht mehr so gelacht. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Herrlich!

 

Wie gut Aufführung, Mimen und Musikbegleitung (Merry Poppins lässt grüssen!) sind, lässt sich ganz einfach daran erkennen, dass es zu keinem Zeitpunkt in irgendeinem Ansatz peinlich wird, Mann und Frau sich keine Sekunde unwohl fühlt. Zwei Stunden volle Kanne Erotik, Sex und Spaß.

 

Das behauptet mal wer von sich selbst.

(mw)

 

 

 











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