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05.10.09 - 14:47 Uhr

Kunst in der Klamm


Das LandArt Projekt „Kunst Raum Natur“ des Kulturvereins Kunstbox Seekirchen durchschritt sein drittes Jahr und erlebte in der Tiefsteinklamm bei Schleedorf einen neuen Höhepunkt.

 

16 wetterfest bekleidete Gestalten marschieren in die Klamm ein. Der Tag ist regnerisch und trüb, die Felsabbrüche der Klamm präsentieren sich abweisend und feucht - noch.

Die beiden professionellen LandArt-Künstler Wolfgang Buntrock und Frank Nordiek aus Hannover versammeln die WorkshopteilnehmerInnen um sich. Dank einer interessierten und aufgeschlossenen Schleedorfer Gemeinde, allen voran ihr Bürgermeister Hermann Scheipl, ist der administrative Aufwand für das Kunst-Raum-Natur-Projekt auch dieses Jahr sehr klein geblieben.

 

Erster Programmpunkt ist die Begehung des Geländes. Die verschiedenen Geländeformen, die Vegetation und die Verläufe des Tiefenbaches wollen entdeckt werden. Für Nordiek und Buntrock ist die detaillierte Auseinandersetzung mit der Umgebung integraler Bestandteil des späteren Kreativprozesses. Und tatsächlich reifen in den Workshopteilnehmern schon in dieser Phase erste Ideen, wächst der Horizont mit jeder Pflanze und jeder Bachwindung, die sich den neugierigen Blicken offenbart.

 

Erste Übung: Eine kleine Installation zu jedem der alchemistischen Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft. Eine kurze Besprechung über die Darstellungen folgt.

Zweite Übung: Eine Installation aus nur einem einzigen der vorhandenen Naturmaterialien. Ein Buddha aus Gras entsteht, ein kleiner Dom aus den grün-roten Stielen des Springkraut, ein schwebender Vorhang aus Sumpfgras – alles nimmt Formen an, Farben, Sinn.

Es wird dunkler, der erste halbe Tag neigt sich...

 

Am nächsten Morgen steht die letzte Herausforderung vor den eigentlichen Hauptwerken an. Noch eine Übung, bevor die Kür beginnt: „Wir möchten, dass ihr versucht Gegensatz und Spannung darzustellen“ geben Buntrock und Nordiek die Richtung vor. Es dauert keine Minute und von den TeilnehmerInnen ist keiner mehr zu sehen. Stille bleibt.

 

Das Ergebnis dieser Runde sind durchwegs komplexe Skulpturen und Formen, die alles miteinbeziehen, was die Klamm zu bieten hat. Noch ein kleines gemeinsames Mittagessen an einem sonnigen Plätzchen, dann geht es los.

 

Die hochambitionierten LandArt’er schwärmen aus.

 

Keine Vorgaben mehr außer einer: Es darf nur verarbeitet werden, was die Tiefsteinklamm anbietet, keine Material-Hilfsmittel sind erlaubt.

 

Was folgt, ist eine wahre Orgie der Vielfalt. Bereits in den ersten Ansätzen ist erkennbar, dass keines der entstehenden Kunstwerke auch nur im geringsten einem anderen gleichen wird. Obwohl der Ort allen die gleichen Bedingungen zur Verfügung stellt, galoppieren die kreativen Gedanken der TeilnehmerInnen in vierzehn Himmelsrichtungen davon – es ist unglaublich.

 

Am von Felsen gesperrten Ende der Klamm hängt einen Tag später plötzlich ein feines Gespinst in der Luft – ein Hauch an geflochtenen Ranken und Flechten, das in der Sonne glänzt, ist in unendlich viel Kleinarbeit entstanden. Eine riesige Schlange wälzt sich gemütlich durch den Fichtenwald. Aus Tausenden kleinen Stöcken räkelt sich die gewundene Form über den Waldboden. Direkt am Abgrund ist aus langgebogenen Ästen und Brombeerranken eine netzartige, in unzählige Segmente unterteilte stehende Ebene entstanden, als wollte sie den Besucher davor warnen, zu weit zu gehen. Steinskulpturen auf hölzernen Dreibeinen mitten im Wasser, ein Busch, der in der Klamm zu schweben scheint, mystische Formen, die an Miniaturausgaben der Osterinsel-Statuen erinnern, stehen an einer Felswand. Ein paar Schritte weiter scheint ein großer Bachkrake sein Territorium zu schützen und ein hölzerner Wasserfall ergießt sich neben seinem natürlichen Pendant über bemooste Felsen.

Hinter fast jedem Baum, jeder Biegung begegnet der Wanderer einem anderen Kunstwerk. Manche davon präsent und offenkundig, andere sensibel mit ihrer Umgebung verflochten... zu viele um sie alle aufzuzählen und ihre Schönheit zu beschreiben.

 

Am Sonntag ziehen ganze Besucherscharen durch die Klamm. In den Gesichtern der Menschen ist alles Mögliche zu lesen. Überraschung, viel Staunen, Respekt und Bewunderung für die WorkshopteilnehmerInnen, ihren Ideenreichtum und Ihre schöpferische Kraft. In einer Feuer-Installation wurde die alte Sage der Tiefsteinklamm-Wildfrauen wieder zum Leben erweckt: Drei „Lichtgestalten“ zogen Wanderer und Publikum magisch an und ließen - so berichteten Einheimische am nächsten Tag - im Schein der Feuer die Waldgeister tanzen....

 

Die Klamm lebt, ihre mystische Ausstrahlung hat für einige Tage irdische Formen angenommen. Solange bis sie die Werke, eines nach dem anderen, wieder in ihre sagenumwobene Ewigkeit zurückholt. Schauen sie vorher noch vorbei.

(mw)

 

 











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