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29.11.09 - 10:58 Uhr

Die österreichische Seele


Verspätung. Damit begann der Abend. Passt dazu, zur österreichischen Seele, meinten die einen. Die anderen wussten, dass der Italiener ums Eck in Seekirchen schon mal eine Stunde für die Hauptspeise braucht. Also betraten präzise um 20 Uhr 15, der Lieblingszeit der Österreicher drei Barden aus dem "nahen" Osten die Bühne. Die beiden Gitarristen Michael Bruckner und Fabian Pollack, dazu Wolfgang Kühn, die lyrische Stimme des Ensembles. Das Konzert war geschickt angekündigt worden, „Wachauer Lieder mit Biss“ nennen die drei ihr Programm, kein Hinweis darauf, dass es sich eigentlich um eine musikalische Lesung handelt. Das ist auch gut so, denn die Erfahrung zeigt uns, dass Literaturveranstaltungen tendenziell etwas schlechter besucht sind, sofern nicht Donna Leon oder Wolf Haas die Plakat-Überschrift zieren. Der Promifaktor hat eben einen sicheren Platz im österreichischen Herzen.

 

Der ruhige und eher scheue Lyriker Wolfgang Kühn hat etwas begriffen, was von vielen negiert wird: Literatur ist ein ländliches Phänomen. Man denke nur an die obsessive Auseinandersetzung mit dem Landleben in der österreichischen Literatur. Aber die Seele der Österreicher lebt urban, oder wenigstens in urbanen Strukturen, doch ihre Träume und Wünsche sind im ländlichen Raum beheimatet. Wälder, Flüsse und Berge verkörpern die Orte unserer geheimen Sehnsüchte. Und obwohl diese Orte mit der tatsächlichen Lebenswelt und dem Alltag der Österreicher nur mehr wenig gemein haben, bieten sie genügend Potenzial, um selbst zum Ausgangspunkt für Mythen zu werden.

 

Genau an diesem wunden Punkt setzen "Zur Wachauerin" an. Sie schaffen eine liebevolle und tief gehende musikalisch/literarische Hommage an die drei großen W ihrer ostösterreichischen Heimat: Wachau, Waldviertel, Wein. In ironisch–schrägen Texten werden ländliche Phänomene lebendig, Menschen via Telefonbuch verkuppelt und zum Dorftratsch gemacht, die Vokale einer Speisekarte so weit in den Osten verschoben, dass es sich schließlich wie Weißrussisch anfühlt. Auch Richard Löwenherz, Hademar und Heinrich von Kuenring, das Donauweiberl und der Simon Handl finden Platz in dem abwechslungsreichen Programm. Die beiden Musiker arbeiten den Texten zu - vor allem in einer entspannt wirkenden Virtuosität, die Bearbeitungen der traditionellen Wachau-Lieder für zwei Gitarren wirken neu und bodenständig zugleich, der Klangreichtum, den man aus dieser Besetzung zaubern kann, besticht allemal.

 

Genau so endete der Abend. In einer frenetischen Ruhe und einem tief beeindruckten Publikum, das nur sehr langsam die Plätze im Saal aufgab, um mit etwas ganz Besonderem im Herzen nach Haus zu gehen.

(lf)

 

 

 

 











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