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13.12.09 - 12:07 Uhr

Das sezierte Märchen


Bombiger Abschluss der Kreativen Kindertage im Emailwerk Seekirchen. Gleich vier Vorstellungen der neuen Produktion des Theater ECCE: Die verzauberten Brüder. Und schon kennen ein paar hundert Kinder ein Stück russische Märchenlandschaft.

 

Märchen werden heutzutage gerne zerlegt und bis in die letzte Zeile analysiert. Bis vor kurzem wurden unsere Märchenklassiker noch als blutrünstig und nicht kindertauglich eingestuft. Jetzt gerade gelten sie als pädagogisch wertvoll. Bis wieder irgendein verstörter Kinderpsychologe oder eine hysterische Mama...egal, lassen wir das.

 

Das wichtigste vorneweg: Den kleinen Zuschauern, dem Lachen nach auch den Großen, hat es sehr gut gefallen. Es war spannend, manchmal unheimlich, oft sehr lustig, ab und an ein bisschen schräg und – es gab ein Happy End wie aus dem Märchenbuch. Also, es war einfach schön.

 

Doch zurück zur Analyse. Es gibt da zwei Besonderheiten bei „Die verzauberten Brüder“, die in der typischen Märchenlandschaft nicht oft vorkommen und neben einem bezaubernden Bühnenbild und märchenhaften Darstellern wirklich erwähnenswert sind.

 

Erstens – es geht nicht um solistisches Heldentum. Kein Prinz oder anders gearteter Held, der allein eine Gefahr oder ein Rätsel nach dem anderen aus dem Weg räumt. Alle Herausforderungen werden im Team gelöst. Katze, Bär, Hund und Mama Wassilissa überwinden zusammen eine Hürde nach der anderen. Und die böse Hexe Bába Jagá hat eine Menge Hürden in der betrügerischen Hinterhand. Nur so gelingt es der Gemeinschaft schließlich auch die alte Fuchtel in die dürren Knie zu zwingen und die verlorenen Söhne aus der Gefangenschaft zu befreien.

 

Zweitens – Iwánuschka, der in Freiheit verbliebene Sohn von Wassilissa, nennt sich im kindlichen Mut und Übermut selbst einen Helden (es gibt also doch einen), agiert aber immer im Hintergrund und gibt den hilfreichen Beistand nie als den seinen zu erkennen.

Ein Held ohne Rampenlicht. Ohne Blitzlichtgewitter. Ernsthaft – wie viele Helden solcher Art kennen Sie? Heute hat man eher das Gefühl, jeder, der ohne fremde Hilfe einen ganzen Satz schreiben kann, schreit nach einer halben Seite Berichterstattung in irgendeiner Zeitung über dieses Wunder.

 

So gesehen hat „Der verlorene Sohn“ einen sehr wertvollen Hintergrund für den Kopf. Und natürlich auch für das Herz, denn am Ende hat jeder bekommen was er verdient. Und dass bei aller Brisanz dieser Aussage die große Mehrheit zum Schluss glücklich war, heißt doch, dass es ein gutes Märchen ist.

 

Die Inszenierung von Reinhold Tritscher ist kind- und erwachsenengerecht. Die SchauspielerInnen des Theaters Ecce agieren wie gewohnt mit überschäumender Spielfreude. Zwei riesengroße Blätter stehen für den Wald und zugleich für die in Bäume verzauberten Brüder. Den sprichwörtlichen Vogel schießt das auf Hühnerbeinen trabende Hexenhaus ab – sooo witzig.

 

Energiestrotzende Schauspieler und liebevolle Details lassen die 90 Minuten im Flug vergehen.

(mw)

 











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