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13.03.10 - 13:21 Uhr

So ein Auf-Schneider!


Keine Frage – der Witz dieser Aufführung „Das tapferen Schneiderlein“ liegt in der ganz neuen Art der Darstellung und am Schauspieler und an den Kindern und an der Geschichte.

 

Mit anderen Worten, ein total gelungenes Paket. Wenn Mathias Schuh als tapferes Schneiderlein vor der animierten Leinwand steht und zum trickreichen Helden wird, staunen die Kinder nicht schlecht. Die Leinwand wird zur Gegend, die Figuren darauf werden lebendig. Alles bewegt sich, redet, bekommt Tiefe. Ein echt witziges Detail ist die Ziege, die immer wieder auf der Bildfläche erscheint und die (Hinter)Gedanken des Schneiderleins vermittelt. So bleibt nichts im Verborgenen und die Kinder über die ganze Spieldauer voll bei der Sache.

 

Zur Erinnerung: Ein biederes Schneiderlein meuchelt, vom Glück gesegnet, ganze sieben Fliegen mit einem Schlag seiner letzten Kreation. „Sieben auf einen Streich“ – flugs auf einen Gürtel gestickt - und ein Held ist geboren. Sein, durch seinen Volltreffer vorlaut gewordenes Mundwerk lotst das tapfere Schneiderlein von einem Abenteuer in das nächste.

Von den Riesen über das Einhorn und den wilden Eber arbeitet sich das Schneiderlein bis zur Königstocher empor. Der König selbst ist auch nicht von der ganz feinen Art – wie ein Verkaufsleiter versucht er, die dem Schneiderlein versprochene Provisionszahlung in Form von Tochter und Königreich immer wieder auf die lange Bank zu schieben. Aber was hält schon einen Schneider auf?

 

Ob der Schneider jetzt einfach nur ein Maulheld mit viel Glück oder doch ein echter Held mit List und Tücke ist, darüber lassen sich die Geister vortrefflich scheiden. Und weil das so ist, wird Mathias Schuh, der übrigens sowohl gesanglich als auch schauspielerisch ein tolles Schneiderlein abgibt, zum Ende hin im pädagogischen Sinn aktiv. Denn während das Märchen im Original ein moralisch nicht ganz korrektes Ende nimmt, hier wird die Königstochter unglücklich zwangsverehelicht, was dem Schneider ziemlich egal ist, nimmt Schuh einen anderen Weg: Nach dem klassischen Schluss bietet er den Kindern an, das Ganze noch einmal zu wiederholen.

Diesmal mit einem ehrlichen Schneiderlein, der der Prinzessin seine bescheidene Herkunft offenbart und ihr die Wahl zwischen einem Leben mit oder ohne Schneider lässt. Und – wieder ganz märchenhaft – entscheidet die Prinzessin für den Menschen und nicht für das Amt. Glückliches Schneiderlein.

(mw)











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