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07.05.10 - 11:37 Uhr

Event oder Kultur?


Die Arge Wallersee Kultur (Kunstbox, Drehbuchwerkstatt, Museum Fronfeste) lud zur Eröffnung der Filmtage "Kinder zwischen den Fronten" und alle kamen. Nein, nicht alle – nach der Absage von Vanessa Redgrave aufgrund des tragischen Todes ihrer jüngeren Schwester blieben einige dem "Event" fern. Ein guter Anlass, wieder einmal über das Thema "Eventkultur" nachzudenken.

 

Eines sei vorausgeschickt: es war ein wunderbarer Abend mit exzellenten Gästen, jene Auswahl an Menschen, die der Sache wegen gekommen waren. Sie durften einen Mann kennenlernen, dessen Engagement für die Sache der Kinder weit über das hinausgeht, was man gemeinhin ein "soziales Mäntelchen" nennt: Carlo Nero, Regisseur des Eröffnungsfilms ‘Wake up World‘ und Sohn von Vanessa Redgrave und Franco Nero.

Er ist, wie er selbst sagt, geprägt von der Leidenschaft seiner Mutter, sich für Schwächere und Benachteiligte in dieser Welt einzusetzen, die seit 1955 UNICEF-Botschafterin ist. Es gehe auch nicht darum, die Leiden der Kinder in Ländern wie Afrika, Indien oder Südamerika anzuprangern, der persönliche Einsatz beginne dort, wo man zuhause ist, allein das genaue Hinsehen reiche aus, zu erkennen, dass auch bei uns ein beträchtlicher Teil der Kinder unter der Armutsgrenze lebt, so Carlo Nero bei der Podiumsdiskussion im Kulturhaus Emailwerk. Das unterstrich auch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller in ihrem Eingangs-Statement: "Der Film ‘Wake up World‘ zum Auftakt der Filmtage in Seekirchen dokumentiert eindrucksvoll das Anliegen der UNICEF-Botschafterin Vanessa Redgrave, nämlich die dringenden und ungelösten Probleme und die Notwendigkeit von Bildung und Schulen für Kinder in Entwicklungsländern anzusprechen. Aber selbst im reichen Europa und natürlich auch in Österreich werden Kinder Opfer von Gewalt und Vernachlässigung."

 

Das Podium, geführt von ORF-Chefredakteur Gerhard Rettenegger, diskutierte aber auch noch andere Aspekte: Warum es denn zwei Filmförderungsquellen gibt, wollte er von Landtagsabgeordneter Brigitta Pallauf und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wissen. Denn während in der Kulturabteilung der künstlerische Film und der Nachwuchs gefördert werden mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln, schöpft man beim Wirtschafts- und Tourismusressort aus vollen Töpfen. Eine wirkliche Lösung wurde naturgemäß an diesem Abend nicht gefunden - außer dem Wunsch der Landeshauptfrau, einen Film wie "Deserteur!" von Gabriele Neudecker, die Drehbuchwerkstatt und Arge Wallersee Kultur auf dem Podium vertrat, auch mit "ein paar hundertausend Euro" unterstützen zu können.

 

Der wahre Höhepunkt des Abends aber war ein 8-minütiger Film, der vor der österreichischen Erstaufführung des UNICEF-Plädoyers "Wake up World" gezeigt wurde. Carlo Nero hatte eine Videobotschaft seiner Mutter mitgebracht, aufgenommen in Vanessa Redgraves Küche, in der sie sehr persönliche Worte für die Filmtage und ihre Veranstalter und das SOS-Kinderdorf Seekirchen fand. Es war ein berührendes Statement einer Frau, die, aus einem bourgeoisen Milieu stammend, ausbrach und sich ein Leben lang immer und immer wieder für Unterprivilegierte jeglicher Couleur und gegen Ungerechtigkeit jeglicher Regierung engagierte. Die sich als UNICEF-Botschafterin weltweit für soziale und politische Belange einsetzt als eine unermüdliche Verfechterin der Menschenrechte, die 1978 sogar die Zeremonie ihrer Oscar-Verleihung für ein politisches Statement nutzte. Eine Frau, die den Starrummel um ihre Person immer verabscheute und ablehnte. Damit wäre auch die Eingangsfrage beantwortet.

(lf)

 











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