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28.05.10 - 12:19 Uhr

A cappella3 | Tag 1 | Fii


Den Auftakt des feinen A-cappella-Festivals im Emailwerk gestaltete dieses Jahr zum ersten Mal ein Solist. Michael Krappel, Codename Fii, preisgekrönter Beatboxer massierte seinem Publikum zwei Stunden lang mit schalldämpferlosem Beatboxing den Bauch.

 

Bei der ersten Nummer stand der Chronist des Abends auf, ging in die Technikabteilung des Emailwerks, um zu beklagen, dass sein Trommelfell gerade von übermächtigem Bassfeuer zu Hausstaub zermahlen wurde.

Die Technik beteuerte, dass ebendiese, alles zerschmetternde Wand tiefröhrigen Dröhnens genau den Vorgaben des Künstlers entspricht.

Der belehrte Chronist setzt sich also wieder an seinen Platz und nimmt die Brille ab, weil seine Pupillen zu vibrieren begonnen haben und er ohnehin nichts sehen kann.

 

Beinahe unfassbar, was der Mensch mit seiner Stimme anstellt. Erste Nummer vorbei, der Chronist kann wieder sehen. Schön.

 

Michael Krappel alias Fii ahmt gerade eine Jazztrompete nach, seine Füße spielen indes mit den Knöpfen eines Aufzeichnungsgerätes, mit dessen Hilfe er gerade gesungene Passagen in Sequenzen speichert und zu vielstimmigen und mehrschichtigen Stücken aufbaut.

 

Wer verbotener Weise an der Saaltüre lauschen würde, hätte den rein akustischen Eindruck, es müssten siebzehn Künstler auf der Bühne stehen – mindestens.

 

Fii scheint keinen Moment gestresst oder hektisch zu sein. Beatboxer verfügen offenbar über ein Enzym zur Prophylaxe gegen Rhythmusfehler. Egal wie schnell, egal wie viele Loops bereits laufen, Fii baut fehlerlos weiter an seinen Konstruktionen.

 

Der gelernte Sängerknabe arbeitet dabei ebenso als Vokalist als auch als Beatboxer, was seinen Nummern große Freiheiten verschafft. Dort ein Fetzerl Jingle Bells, da ein wenig Irish Folk und als vokalen Höhepunkt ein pfeffriges Medley aus Benjamin Blümchen, Pinocchio, Biene Maja, Am Dam Des, Barbapapa und Pezi, so der Chronist aufmerksam war und nichts überhört hat.

 

Überraschungsgäste dieses Abends waren Mr. RitMic und die blutjunge Verena. Ersterer ein reinrassiger Beatboxer mit einer wahnwitzig schnellen und dennoch äußerst präzisen Performance mit harten Schlägen – toll anzuhören. Zweitere ein junges Mädel mit voluminöser und sehr gefühlvoller Stimme, das der Meister eine Nummer lang beatboxend begleitete. Eine durch den Kontrast sehr spannende Einlage.

 

Fii scheute an diesem Abend auch nicht davor zurück das Publikum zum mitmachen zu bewegen, dem Mann ist wirklich keine Aufgabe zu groß. Eine witzige Stegreif-Nummer (spontan aus Vorgaben der Zuhörer zusammengebastelt ) sorgte ebenfalls für Kurzweil.

Vom humoristischen Standpunkt aus gesehen, geht der erste Platz im Programm an die abschließende Opernparodie, in der Krappel drei klassische Rollen gleichzeitig übernahm: die Begehrte (Sopran), der Mann mit der Bratpfanne (Tenor) und der Gehörnte (Bass). Was ein A-cappella-Festival nicht alles so mit sich bringt...

(mw)

 











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