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16.09.10 - 14:23 Uhr

Der Sandmann freut sich


Wo wir den Sandmann finden, wissen wir ganz genau: in unseren Träumen. Woher er kommt, darüber wissen wir kaum Bescheid. Ein kleiner Geschichtsausflug: Vorneweg, der Sandmann ist keine klassische Märchenfigur. Als volkstümliche Figur wird er erstmals um 1777 erwähnt. Lange davor aber waren Sandmänner bereits ganz reale Figuren: Sandhändler. Seine Heimat als Schlafbringer und Traumfigur hat er im Nordwesten Europas. Norddeutschland, Benelux, auch Großbritannien. Bereits in Bayern gab es keinen Sandmann mehr. Dort hieß die Figur Pechmännlein und übernahm eine ähnliche Funktion. Auch in Österreich gab es keine traditionelle Traumbringer-Figur.

 

Bevor der Sandmann Kinderliebling wurde, war er Anfang des 19. Jahrhunderts in der Fassung von E.T.A. Hoffmann eher Kinderschreck. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts durfte der Sandmann liebenswürdig werden. Hans Christian Andersen schrieb zu dieser Zeit das Märchen von „Ole Lukoie“ (wörtlich Ole Augenschließer). Ole verspritze süße Milch statt Sand. In nachfolgenden deutschen Übersetzungen wurde wahrscheinlich erst der Sand eingeführt.

 

All das interessierte die Knirpse im Emailwerk freilich wenig. Sie saßen mucksmäuschenstill im dunklen Saal und verfolgten wie Clara, gerade noch völlig in ihrer Spielwelt versunken, von Mama ins Bett gescheucht wird und ihre Tagesfantasien mit in die Träume nimmt. Kathrin Blüchert spielt Clara, als Mensch, als Schattenfigur, als Puppe. Und sie erzeugt mit ihrer Ausstrahlung, der sanften Ruhe und den weichen Bewegungen eine Traumblase im Emailwerk. Alles innerhalb dieses „Traumraum“ ist bei Blüchert und damit in Claras Traumwelt: die Kinder, die Erwachsenen, der Sandmann, das Traumschiff, die Sterne und Clara. Alles außerhalb wie Wände, Boden, Bühne und Dach, blieb in der realen Welt zurück.

Der Sandmann freut sich über Claras Besuch. Er ist viel alleine mit seinem Handwerk. Gerne nimmt er Klara mit auf seine Reise zu allen Menschen, deren Seelen gerade über die feine Grenze zwischen wachen und träumen treten. Clara darf auch ein paar Träume bringen.

Nach einer spannenden Reise durch die Nacht ist es Zeit für Clara dem Sandmann auf wiedersehen zu sagen. Kathrin Blüchert und der Sandmann bringen Clara wieder zurück in ihr warmes Bett. Oder nicht? Träumt Clara immer noch? Hat sie überhaupt geträumt? Ist das wichtig?

Eines ist sicher: die Kinder haben geträumt. So still wie die waren...

(mw)











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