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19.09.10 - 19:59 Uhr

Romeo is calling you


Selbst nach hunderten Veranstaltungen ertappt man sich hin und wieder dabei, einem Konzept, das für einen persönlich neu ist, mit einem gewissen Misstrauen zu begegnen. Wie war das? Classic mit Musical? Rock mit Classic? Na, da sind wir aber gespannt…

 

Gleich beim ersten Lied wandert der Kopf nach oben. Diese Stimme – diese Stimme kennen wir doch. Es dauert ein paar Minuten und dann durchzuckt es einen wie ein Blitz. Jesus Christ Superstar! Ganz sicher! Oder? Das war doch die Stimme von Jesus? Oder war’s Peter? Nicht das es eine Rolle für diesen Abend spielte, aber wissen will man’s ja dann doch: hat man Drew Sarich nicht schon gehört?

Die Wahrscheinlichkeit, dass man hat, ist hoch.

 

An diesem Abend durften die Zuhörer wirklich etwas Einzigartiges erleben. Zwei Violinen, eine Bratsche, ein Violoncello und eine Stimme vereinigen sich zu einer Stimmung, die, weil mit nichts anderem vergleichbar, schwer zu beschreiben ist.

 

Drew Sarich darf eine Musical-Stimme im besten Sinn des Wortes sein eigen nennen. Tolle Bandbreite, emotional sehr ausdrucksstark und gleichzeitig perfekt mit der Begleitung vereint. Die musikalische Begleitung ist es dann auch, die dem Szenario etwas völlig Eigenständiges verleiht. Brilliante Musiker haben wir im Emailwerk bereits viele gesehen. Aber vier großartige StreicherInnen, die eine Solostimme derart perfekt unterstreichen, dass man Sie als Zuhörer beinahe so selbstverständlich empfindet, als kämen sie von einer DVD, das war noch nicht da.

Wenn es so etwas wie ein Kammer-Musical noch nicht gibt, dann haben es Michaela Girardi (Violine) Georg Wimmer (Violine), Sarah Grubinger (Viola) und Matthias Bartolomey (Violoncello) zusammen mit Drew Sarich erfunden.

 

Das Programm von „The Juliet Letters“ (Original von Elvis Costello) ist eigentlich durchgängig schwermütig, da und dort unterbrochen von sarkastischem Humor – falls es so etwas gibt. Diese Stimmung liegt Sarich. Während seine Stimme die ganze Gefühlsbandbreite zwischen Tod und gebrochenem Herzen erklingen lässt, schwebt sein Gesichtsausdruck und seine Gestik immer mit einem Hauch überheblicher Verachtung über den tiefen Gefühlen der Texte. Und es ist diese kleine Spannung, die die Performance so fesselnd macht und immer genügend Abstand zur kitschigen Melodramatik hält. Ein großes Kunststück, an dem sowohl der Sänger als auch das Quartett gleichen Anteil haben.

 

Also ganz gleich, wo die Erwartungen des Einzelnen im Publikum lagen, Drew Sarich & The Dead Poet Quartet gestalteten einen Abend, dessen einnehmender Wirkung man sich nicht entziehen konnte. Eine in jeder Beziehung einzigartige Performance, sängerisch und musikalisch perfekt umgesetzt. Standig ovations...

(mw)

 

 











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