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04.10.10 - 10:21 Uhr

Der Teufel ist los!


Samstag, 10 Uhr morgens. Des Teufels Umhang, der Frühnebel, hängt noch in Fetzen zwischen den Bäumen. Die schwere Luft drückt die Feuchtigkeit auf Pflanzen, Moos und Erde. Eine Gruppe „Waldgeister“ entlockt der Märchenwelt ein paar Quadratmeter Boden. Gerade genug, um darauf selber ein Märchen entstehen zu lassen…

 

Die Sonne schiebt ein paar Blätter beiseite und schaut neugierig auf die bunten Gestalten, die sich zwischen Wasser und Bäumen tummeln. Der Teufelsgraben heißt seine Besucher willkommen. Die großen Vögel, die im Respektsabstand über dem Graben ihre Kreise ziehen, sind keine Falken oder Bussarde, sondern Raben – natürlich. Aus ihrem Blickwinkel entstehen Inseln aus Form und Farbe im wasserdurchzogenen Gehölz.

 

Eine riesengroße Wasserschlange räkelt sich auf den Steinen neben dem Bach, bewacht von zwei blutroten Händen. Wasserwesen bauen eine Siedlung auf einer Sandbank – beschützt von Wasserläufen. Die linke Hand des Teufels steht mahnend über dem Graben, die knochigen Finger wie zur Drohung gegen den Himmel gereckt. Grüne Ringe tanzen über dem Wasser, ein feines Geflecht spiegelt sich auf der glänzenden Oberfläche. Irgendwo, fast unsichtbar für den Besucher, schlägt ein magisches Pendel aus Steinen und Ranken eine Brücke zu den geisterhaften Grabenbewohnern. Spiralen, steinerne Geometrie, Brücken, verlehmte Stämme, bei jedem Schritt gibt der Weg einen neuen Anblick frei. Aber nur jenen, die sich darauf einlassen mit allen Sinnen zu „sehen“, eröffnen sich die vielen Details, um die das kleine Naturjuwel bereichert wurde. So sehr haben die KünstlerInnen ihre Werke mit dem Wesen der Landschaft verbunden. Der Pakt mit dem Teufel einmal anders...

 

Sechs Tage lang wurde der Teufelsgraben bei Seeham von den WorkshopteilnehmerInnen des Land-Art-Projekts „Kunst Raum Natur“ bespielt. Die ersten drei Tage gehörte der Graben ganz den SchülerInnen der 3c von der Hauptschule Eugendorf. Die jungen LandArter machten sich mit einer Leidenschaft ans Werk, die selbst die erfahrenen Workshop Leiter Wolfgang Buntrock und Frank Nordiek (Atelier LandArt Hannover) in Erstaunen versetzte. Anmutige Spiralen, kunstvolle Holzkonstruktionen, beeindruckende Grenzgänge zwischen Wasser und Stein – alles in mühevoller und zeitaufwändiger Kleinarbeit entstanden. Von Kindern in einem Alter, von dem man gerne sagt, man braucht viel Geduld. Tja liebe Eltern, im Teufelsgraben war die Geduld ganz auf der Kinderseite...

 

Auch die Erwachsenen benahmen sich ordentlich während ihrer drei Tage. Buntrock und Nordiek führten die Teilnehmer (sehr viele davon schon zum zweiten und dritten Mal dabei) mittels verschiedener kreativer Übungen, mit den Orten und Materialien des Grabens zusammen. Am zweiten Tag nahm man sich gleich einmal zwei Stunden Zeit, um ein paar wirksame Waldgeisterfallen zu bauen, damit die finsteren Vorkommnisse im Graben endlich ein Ende haben. Ob sie funktionieren, wird sich in den kommenden Nächten zeigen...

(mw)

 











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