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30.01.11 - 21:50 Uhr

Humor ist, wenn man lacht.


Robert Gernhardt verschrieb sein humoristisches Werk offenbar genau diesem Credo. Das Lachen war sein Ziel. Wahrscheinlich auch sein eigenes Lachen, mit Sicherheit aber das des Publikums. Und es war ihm jedes Mittel recht, um dieses Ziel zu erreichen. Gernhardt bediente sich eines riesigen Arsenals an Gedichtformen, Erzählstilen und Themen, um das Lachen ausbrechen zu lassen. Edi Jäger, der sich an diesem Abend als schauspielerischer Interpret und Seelenverwandter Gernhardts an das Publikum wandte, nutzte die tausend Facetten seiner komödiantischen Begabung, um die unfassbare vielen Schleichwege, mit der sich Gernhardt an das Lachen des Publikums heranpirschte, in eine witzgepflasterte Schnellstraße auszubauen. Wir waren hilflos. Immer wenn das gepeinigte Publikum es für möglich hielt, dem nächsten Lachkrampf durch geradlinige Hochrechnung der letzten Nummern zu entgehen (sprich intuitive Vorausahnung der nächsten Pointe), kam Jäger von der anderen Seite und trieb wieder Tränen in die verschwollenen Augen. Manchmal kam er auch von der gleichen Seite - oder gar nicht – das Zwerchfellgemetzel war grauenhaft.

 

Der Umstand, dass der deutsche Komikerkönig Otto Waalkes, der diesen Titel in den 80er Jahren sicher zu Recht trug, eine Vielzahl von Gernhardt Sketches im Schild führte, zeugt von der nachhaltigen Genialität Gernhardts und der Wandlungsfähigkeit Waalkes, für die der Ostfriese ja bis heute berühmt ist. Und es ist ebendiese Wandlungsfähigkeit, die auch Edi Jäger als berufenen Gernhardt Ausleger autorisiert.

 

Was sowohl Jäger als auch Gernhardt vom TV-strahlenden Komiksondermüll, von dem sich auch nicht paranoiagefährdete Menschen derzeit auf Schritt und Tritt verfolgt fühlen, unterscheidet, ist Hirn. Die Kunst, einen Saal, der kein Bierzelt und kein Fernsehstudio ist (also mutmaßlich mit intelligenten und nüchternen Menschen gefüllt), einen Abend lang auf das köstlichste zu amüsieren, erfordert ein ungeheures Maß an Talent, Arbeit und vor allem Geist. Es gelang Jäger und seinem Mundschenk Gernhardt Anspruchsvolles so paradiesisch mundgerecht und Geistloses so herrlich niveauvoll zu servieren, dass selbst das emotionsverwöhnte Zwischenhirn sabbernd nach mehr gierte. Für uns Mittelwertbegabte ist es fast unbegreiflich, wie „einem so etwas einfallen kann“ (O-Ton: Emailwerkpublikum). Hannibal der nix versteht, Gott der alles sieht weil er a Guadeloupe hat, der reitende Irre (nicht der irrende Reiter), Gittis Hirsch (stirbt am Ende), die Watschendiät… Jäger spielte die Charaktere seiner „Lesung“ so echt komisch, dass die Zeitspanne zwischen zwei Pointen oftmals nicht einmal zum Luftholen reichte.

Selbst wenn ich wüsst, dass ich so können dürft, wie ich wollt, wollt ich doch nicht so können wie ich es wissen dürft…wisst’s?

(mw)

 











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