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06.02.11 - 10:37 Uhr

Muschelbläser und Schalenküsser


Wie ordinär? Und?!? Seien Sie nicht so verkorkst! Wenn Größen wie Goethe, Ringelnatz oder Brecht ganz ungeniert vom f. reden dürfen, dann ist das doch für uns Fußbevölkerte geradezu ein Muss! Aber hallo!

 

Susanne Czepl – Mundarbeit, Christoph Lindenbauer – Streicheleien und Anselm Oberhummer – Gebläse, sahen das kürzlich im Emailwerk zumindest so. Und das Publikum machte, nach einem kurzen Schock zu Beginn (aber das ist eine anerzogene Reaktion), kräftig mit.

 

Czepl rezitierte erotische bis geile Texte berühmter Literaten und Dichter seeeehr hingebungsvoll und authentisch. Fast mochte man meinen... aber lassen wir das.

Aber auch Lindenbauer mit seinem riesigen Bassgerät auf der einen Seite und Anselm mit der flinken Querflöte auf der anderen (die Bühne quoll vor Symboliken und Gleichnissen fast über) spielten und zupften für das Publikum viele (akustische) Höhepunkte heraus.

Dabei blieben die beiden Musiker nicht nur bei ihren Stamminstrumenten, sondern bedienten sich noch anderer Lautgeber, die zur Erotik des Abends passten, wie zum Beispiel Maultrommel, Klangschalen und Muscheln – alles klar? Die wiedergegebenen Texte reichten auf der Lustskala von einfühlsamer Zurückhaltung („schau’ einem Engel beim f. nicht ins Gesicht“) über Zeilen mit leicht fetischistischen Ansätzen („ich küsse den Sessel, wo dein Arsch gesessen“) bis zu technischen Anleitungen mit Zeitungsständern, Fahrradständern und Stativen.

 

Czepl und ihre Begleiter arbeiteten gleichsam als körperliche Verstärker der ohnehin hitzigen Texte, wie auch als helfende Hand, damit sich die ZuhörerInnen nicht im ungewohnten Sumpf der Wollust vollends verirrten. Obwohl – wer wollte da schon raus, dort wachsen die schönsten Erdbeermünder...

 

f. = das grauslige Wort, das man der unmoralischen Nachhaltigkeit halber höchstens auf der Bühne sagen darf, nicht aber schreiben soll.

(mw)

 











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