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26.02.11 - 09:42 Uhr

Über nicht von der Steuer absetzbare Spenden...


Klang spenden, zuhören, genießen und auf sich wirken lassen, so einfach ist das. Meint man. Bericht über einen unaufgeregt aufregenden Abend im Emailwerk.

 

Es ist sieben Uhr Abends, langsam füllt sich das Foyer im ersten Stock des Emailwerks, just vor der Künstlergarderobe. "Bitte nicht eintreten" steht da auf einem Zettel, ich öffne dennoch die Türe riskiere einen Blick durch den Spalt - jemand sitzt mit dem Rücken zu mir und spielt mit der Gitarre ein paar Riffs in ein Mikrofon, ihm folgt eine Sopranistin, sie spendet hohe, spitze Töne. Ich verlasse den Beobachtungsposten vor der Klangspendengarderobe und folge den Kabeln bis in den Saal im ersten Stock des Hauses, dort, wo sich normalerweise die Technik und die Techniker aufhalten. Das tun sie auch heute, es sind Katharina Barth und Martin Löcker, die Erfinder der "Morphing Sound Sculpture Series". Sie analysieren, bearbeiten und arrangieren den entstandenen "Klangvorrat", verarbeiten ihn zu flächig ineinanderverschwimmenden Soundgebilden, die man auf der Kinoleinwand auch sehen kann - visuelle Abstraktionen in schwarzweißer Echtzeit, die auch in regelmäßigen Abständen als bedruckte A4-Blätter als fallendes Laub durch den Raum schweben, weil ein Drucker sie wie Seifenblasen ausspuckt.

 

Es ist keine Schande, wenn man eine Musikkunstrichtung wie diese nicht benennen kann, weil man so etwas einfach noch nicht erlebt hat, aber es wäre ein unverzeihlicher Fehler, sich nicht einzulassen auf dieses faszinierende Spiel. Es entführt den Zuhörer bzw. Zuseher in eine andere Welt - die Welt des Erlebens und der meditativen Spannung - wenn man seinen Sinnen vertraut. Dieser flächig sphärische, manchmal treibend perkussive Klangteppich hat etwas so abstraktes und dabei doch so reales, jede Sekunde ist anders, jede Nuance der Melodien so spannend, dass man einfach zuhören möchte, ohne irritiert zu werden.

Und je länger man sich lauschend treiben lässt, desto schwerer fällt der Abschied von der unerschöpflichen Klangfülle, deren Credo die Veränderung zu sein scheint. Ein Paradies. Durch Spenden. Und durch große Kunst.

(lf)

 











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