Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
14.03.11 - 08:52 Uhr

Mit dem Hang zum Träumen


So ein Hang ist ein höchst meditatives Instrument – überhaupt, wenn Manu Delago darauf herummassiert. Jeder Ton wird von dermaßen vielen Oberfrequenzen begleitet, dass er sich im Ohr anfühlt, als wäre er in Watte gepackt. Klänge wallen leicht durch den Raum, schmiegen sich an jede Oberfläche wie ein warmer Sommerregen, der langsam durch die Haare auf die Kopfhaut sickert. Die getunte Bassklarinette von Christoph Pepe Auer bildet in dieser Zweierkombination mit den klaren und verspielten Tönen und dem sehr präsenten Charakter eine sehr reizvolle Divergenz zu den runden, warmen Klängen des Hang.

 

Im Programm der Formation „Living Room“ zeigt sich die Virtuosität beider Musiker, übernimmt jeder einmal den tragenden Rhythmus im Hintergrund, während der andere im solistischen Rampenlicht steht. Ein Nummer später ist es umgekehrt. Ein paar Streicheleinheiten weiter hört man zwei Melodien, die einander ergänzen. Man fühlt, wie die Knochen weich werden und man in den Sessel sinkt. Living Room ist ein sehr passender Name für ein Duo, das die Zuhörer zusehends in die wärmende Geborgenheit einer weichen Decke sacken lässt.

 

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, weder in der sympathischen, leicht tirolerisch angehauchten Moderation, noch beim Einsatz von diversen „Fantasieinstrumenten“ wie selbsttönende Schlagzeugsticks oder des selbstgebauten „Pepephons“, das ursprünglich eine schlichte Murmelbahn gewesen sein dürfe.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Instrumentalprogrammen, die einfach nur konzertant wirklich gut kommen, sind die Kompositionen und Covers von Delago und Auer voll CD-tauglich. Im Auto, am Abend, zum Essen, in der Badewanne – abgesehen von Sportübertragungen und den Nachrichten fällt einem nicht viel ein, wozu die verzaubernden Klänge nicht passen könnten. Das liegt zum einen an der Kombination der Instrumente selbst, die in ihren Klangbildern so vortrefflich zueinander passen, als auch an der Kunstfertigkeit der beiden begnadeten Musiker, die mit Ihren Arbeitsgeräten bis hin zur vertonten Sprache schlicht und einfach alles machen können.

Spielst du noch oder Living Room?

(mw)

 

 











<- Zurück zu: Archiv