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11.04.11 - 12:21 Uhr

Wörter sind sakrosankt


Die Passion des Autors Semier Insayif sind nicht schmeichelnde Sätze oder fließende Texte, die die Leser umgarnen wie eine literarische Haut. Seine Domäne ist das Wort als kleinster Baustein der Sprache. Insayif stellt das Wort frei, meißelt es heraus und verschafft ihm so Gehör. In seinen Gedichten und Erzählungen wird das Wort selbst zum tragenden Inhalt. Durch die Alleinstellung von Schlag-Worten und Haupt-Worten animiert er die Leser und Zuhörer dazu, die Bedeutung des Wortes für sich selbst zu erfassen, einzuordnen und damit beim Lesen eine eigene Geschichte zu entwickeln. Ein Vorgang, der sich auch während seiner Lesung „Der Tod und das Mädchen“ im Emailwerk einmal mehr wiederholte.

 

Insayif las wort-stämmige Texte und die Zuhörer begannen, jeder für sich, daraus eine Geschichte mit eigenen Bildern und emotionalen Zuständen zu entwickeln.

Mit seiner Weise zu schreiben, verlangt Insayif wesentlich mehr als die Bereitschaft seinen Worten zu folgen. Er inspiriert, nein, fordert, die Bereitschaft seine Wort-Spenden zu entwickeln und individuell schlüssig weiter zu denken.

 

Das ist auch der Punkt, an dem sich Carcassonne String Quartet in das Gelesene einbringt. Die vier Damen leisten dieselbe Entwicklungsarbeit, wie die anwesenden Zuhörer. Nicht mit der Zielsetzung Insayifs Texte zu untermalen, sondern musikalisch weiter zu spinnen, griffen die Musikerinnen die gelesenen Wort-Gebilde auf und setzten eine literarische Momentaufnahme virtuos in Klängen fort.

 

Obwohl diese Form der „Zusammenarbeit“ sowohl den Protagonisten als auch dem Publikum einige Kopfarbeit abverlangt, ist das Ergebnis dieser Wort-Wechsel für alle Beteiligten äußerst hirnstimulierend. Wortwörtlich.

(mw)

 











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