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13.05.11 - 09:47 Uhr

lechts und rinks singt ottos mops


Von "ottos mops" bis zu der Erkenntnis, dass "lechts und rinks nicht zu velwechsern seien" gehören eine ganze Reihe von Jandl-Texten zum festen Repertoire des Deutschunterrichts und sind zu Klassikern geworden. "Was ich will, sind Gedichte, die nicht kalt lassen." schrieb er 1966. Was ihm auch gelang. Kaum ein Autor polarisiert so stark wie Ernst Jandl, der wohl einzige Dichter, der sich im weiten Feld der experimentellen Lyrik betätigte.

 

Jene, die das Privileg hatten, eine Lesung Ernst Jandls mitzuerleben, schwärmen immer noch von der besonderen Art und Weise, in der er Stimme und Artikulationsorgane, bisweilen den ganzen Körper einsetzte, um seine Texte zum Tönen zu bringen. Ob Tristan Jorde je eine Lesung von Jandl selbst miterlebt hat, ist dem Schreiber dieser Rezension nicht bekannt. Ob es von Vorteil wäre, ist fraglich. Denn Tristan Jorde näherte sich den Texten auf eine frische und unverbrauchte Weise, sein schauspielerisches Talent verschaffte ihm naturgemäß einen unschätzbaren Vorteil. Auch die vertonten Texte, in denen er zu den rhythmischen Klängen von Novi Sad förmlich rappte, ließen an Dynamik und forderndem Druck nichts vermissen.

 

Seit 10 Jahren touren sie schon mit diesem Programm, ließ die Novi Sad-Vokalistin Evelyn Blumenau wissen, dutzende Veränderungen wären schon eingeflossen und das Thema sei faszinierend wie am ersten Tag. Das war auch zu hören - die Wiener "Weltmusiker" lieferten im Seekirchner Emailwerk einen berührenden Beweis ihrer musikalischen Sensibilität ab. Sie fassten "die Dynamik und Magie" von Jandls Texten in einen mehr als würdigen Rahmen.

 

Das Programm zeichnete sich vor allem auch dadurch aus, dass Novi Sad und Tristan Jorde nicht nur die populären und humorvollen Textkreationen zum Besten gaben. Ernst Jandl hatte auch ein grimmiges Gesicht. Er schrieb von Vergänglichkeit und Alltag, von der Mühsal der Schreibarbeit, von Eros und Tod. In die Jandlsche Komik mischte sich neben skurrilem Wortwitz auch Verzweiflung und Verstörung. Auch die hatte Platz in dem bemerkenswerten Lesungskonzert.

 

Für Jandl war es stets maßgebend, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. "Daran arbeiten wir noch...", meinte der Intendant des Emailwerks. Ein großes Konzert. Ein kleines, aber kompetentes Publikum. Was will man mehr?

(lf)

 











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