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29.06.11 - 11:27 Uhr

Ode an den Sauger


Sollten Sie eines Morgens aufwachen und feststellen, dass der Staubsauger ihr bester Freund geworden ist, dann heißen sie entweder Anita Köchl oder – sie sollten in ihrem Leben etwas ändern.

Wenn sie Köchl heißen, wälzen sie sich noch ein wenig mit dem guten Gefühl im Bett herum, dass die Premiere ihres neuen Solostücks „Köchl, bis es gar ist“ vor kurzem erfolgreich über die Bühne gegangen ist. Wenn sie nicht Köchl heißen, greifen sie sich ihren besten FreundIn und schauen sie mal nach, wo die nächste Aufführung stattfindet, sie können noch einiges über den richtigen Umgang mit ihrem Lieblingsgerät lernen.

Falls sie Karl, Helmut, Friedl oder Thomas heißen, gehen sie mit, sie werden einen ganz neuen Eindruck davon bekommen, wie es backstage bei ihrer Geliebten und/oder Ehefrau so aussieht.

 

In „Köchl, bis es gar ist“ nutzt Köchl ihre Begabungen als großartige Schauspielerin, hinreißende Komödiantin und großes Sprachentalent und formt daraus den Bühnencharakter Else. Else ist – das fleischgewordene Klischee der österreichischen Hausfrau. Und wie es mit Klischees eben so ist – sie blühen allesamt auf dem unendlich ergiebigen Nährboden der beinharten Wahrheit. Und bitte worüber lacht es sich besser als über das eigene Leid, wenn es nur weit genug weg und in leicht karikierter Form auf der Bühne seinen Lauf nimmt? Es ist so herrlich befreiend, wie die arme Kreatur auf der Bühne ihren Ehegatten verflucht, ihre Kinder geistig verwurschtet und in ihren Träumen ganz woanders ist. Das kommt uns bekannt vor? Nein – bitte nicht jetzt.

 

Interessant ist das Wechselspiel im Publikum. Bei einigen Pointen kreischen ein paar Frauen vor lachen. Männer hingegen schmunzeln vornehm. Romantik in der Ehe? Alles bestens. Ein paar Absätze weiter ist es umgekehrt. Stress bei der Planung des Kindergeburtstages? Männerbäuche wackeln. Kann ja wohl nicht sein. Anita Köchl ist in ihrem Element. Ein Spiegel nach dem anderen wird vorgehalten. Köchl spielt großartig – der berstend volle Saal lacht zurück.

 

Köchl und ihr bester Freund Saugi wirbeln über die Bühne. Er macht ihr Avancen – bis hin zur eindeutigen Aufforderung zum... Sind die Männer jetzt eifersüchtig? Soweit kommt es gerade nicht. Else nimmt einen kräftigen Schluck und schon läutet es. Der Kindergeburtstag. Erbarmungslose Mütter geben ihre Sprösslinge ab und Else dem Verfall Preis. Sie denkt zurück als sie Wilhelm Tell spielen durfte. Eine ernste Rolle in einem ernsten Stück. Kein Saugi weit und breit. Bewunderung von echten Männern. Es läutet wieder. Noch ein Kind, noch ein Schluck. Else schwankt. „Biiteee ummm sssechs wiedaabholendanke“ rumms – Türe zu.

(mw)

 











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