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18.07.11 - 09:30 Uhr

Und plötzlich groovt es


Auf der Bühne des Emailwerks sitzen die TeilnehmerInnen des Beatbox-Workshops im Kreis um ihren Referenten Daniel Barke. Vereinzelt sind ein paar „Mundgeräusche“ zu hören. Es klingt wie hmmm ftzz hmmm ftzz hmmm ftzz... Daniel Barke deutet auf ein paar Damen gegenüber. Vvvpt vvvpt vvvpt kommt es prompt zurück – perfekt im Rhythmus. Noch ein Wink des Seminarleiters ruft noch ein dmm zp dmm zp dmm zp auf den Plan ...und plötzlich groovt es und ein Beatbox-Klangteppich steht im Saal, dass man die Ohren anlegt und das Gebein zu zucken beginnt. Mit einem Wort – urgeil. Und das bereits am zweiten Workshoptag. Da ist nix mehr mit Einsteigerkurs. Was zu hören ist, kann man jederzeit in ein Konzert schneiden – locker. Barke sieht das offenbar ähnlich, die nächsten Übungen werden schwerer...

 

Schnell weiter zum zweiten Workshop. „Geheimnis Obertongesang“ heißt der Titel, Julia Renöckl die vokale Leiterin. Man wagt kaum zu atmen, so leise ist es im Raum. Eine Frau erhebt die Stimme. Eine fremdländisch anmutende Tonfolge beginnt den Raum zu füllen. Erst leise, dann immer voluminöser und plötzlich ist er da. Ein leiser Klang legt sich zärtlich über die Grundtöne. Es ist unheimlich, faszinierend, eigentlich kaum zu glauben. Ein anderer Teilnehmer startet denselben Versuch. Beim ersten Mal klappt es noch nicht. Im zweiten Anlauf ist er dafür umso deutlicher zu hören. Als ein vielfaches der gesungenen Töne oder Frequenzen hat sich ein Oberton aufgebaut. Die Ohren sind beeindruckt und die Augen können beinahe sehen, wie der Ton dicht unter der Decke im Raum zu schweben scheint. Eine Übung mit der ganzen Gruppe folgt. Renöckl gibt eine neue Tonfolge vor, aus der der Oberton entstehen soll, die Workshopteilnehmer erheben die Stimmen. Es bleibt einem fast das Herz stehen, so beeindruckend ist der Klang. Und wieder werden die Obertöne deutlich hörbar, wie sie sich gleich einer Glaskuppel über die Gruppe legen. Einfach fantastisch. Dabei haben wir gerade erst einmal die Vormittagsworkshops gesehen oder besser gehört. An den drei Nachmittagen folgt die zweite Workshop-Serie, die thematisch zu den Vormittagen passt, aber inhaltlich noch weiter in die Tiefe geht. So ist für jeden, vom absoluten Einsteiger bis zum erfahrenen Hobbysänger etwas dabei. Julia Renöckl legt größten Wert auf den konzentrationsfördernden „Schutz“ der Truppe gegen Einflüsse von außen und bedeutet uns, dass wir uns zurückziehen mögen. Wir folgen widerwillig...

 

Die TeilnehmerInnen des dritten Workshops sind hingegen schon von weitem zu hören. Noch bevor wir die Türe öffnen begegnet uns ein Schwall aus vielkehligem Lachen und heiteren Lauten. Kein Zweifel, das ist der Workshop von Catarina Lybeck, die einer großen Teilnehmergruppe die Türen zum Gesang auf ihre Weise öffnet. Apropos groß. 70 TeilnehmerInnen füllen dieses Jahr die Workshops der „O-ton vocal days“ des Kulturverein Kunstbox. So viele wie nie zuvor. Wir öffnen die Türe und blicken in lauter lachende Gesichter. Lybeck erblickt uns, deutet einmal in die Runde und wir werden von einem vielsprachigen Guten-Morgen-Kanon in Empfang genommen, dass uns das Herz aufgeht. Hier sitzt keiner auf einem Sessel. Es wird gesungen, Luftgeige gespielt, die Ohren hochgezogen und es ist von imaginären Superstars die Rede. Wenn wir nicht wüssten, dass es für die meisten Teilnehmer die erste Erfahrung mit dem Singen in der Gruppe ist – wir würden es nicht glauben. Catarina Lybeck hat wieder einmal vollbracht, wofür sie so bekannt ist. Die gelernte Opernsängerin nimmt den TeilnehmernInnen mit ihrer ansteckenden Begeisterung und ihrem unwiderstehlichen, fröhlichen Charme jegliche Zurückhaltung. „Stellt euch vor ihr seid ein Superstar“ ruft sie in die singende Gruppe. „Und jetzt das Ganze noch einmal und ihr seid eine strahlende Sonne“ kommt das nächste Kommando während die frischgebackenen EnsemblesängerInnen sich frei bewegend durch den Raum singen. „Und vergesst nicht die Ohren hochzuhalten“ lacht sie über das ganze Gesicht. Wir verlassen den Raum wieder und fühlen uns richtig gut.

 

Damit sind wir auch schon beim unausgesprochenen Credo der o-ton vocal days. So unterschiedlich die TeilnehmerInnen zwischen 10 und 63 auch sind – sie fühlen sich richtig gut. Und so unterschiedlich die angebotenen Workshops auch sind – sie alle machen richtig Spaß.

 

Zum einen Dank der ReferentInnen, die allesamt wahre „Choriphäen“ auf ihrem Fachgebiet sind und es meisterlich verstehen, die TeilnehmerInnen zu begeistern und zum anderen Dank Verena Fellinger als verantwortliche Organisatorin und ihrem Team, das nichts dem Zufall überlassen hat und dafür Sorge trug, dass sich alle bestens betreut und gut aufgehoben fühlten. Man könnte die „o-ton vocal days“ glatt in „O-Ton-Genusstage“ umbennen...

(mw)

 











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