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29.11.11 - 12:51 Uhr

Vom Zar zur Pfütze


Wenn sich ein abgerüsteter Soldat in einem Wald verirrt, in dem es statt Rehen, Hasen oder Vögeln nur Lurche, Kröten und Molche gibt – dann liegt irgendetwas in der Luft. Aber nicht ganz, denn das Übel liegt im Wasser. Zar Wasserwirbel (im russischen Original Car Vodokrut) knechtet, lügt und betrügt in seinem Reich, wie es ihm gefällt. So dauert es auch nur einen sumpfigen Moment und der Soldat Dimitri trifft auf den Jungen Wanja, dessen Mutter vom schleimigen Zar entführt und in die Hofküche gesteckt wurde.

 

Der Soldat hätte keine russische (Volks)Seele, würde er nicht sofort beschließen, dem Jungen zu helfen. Zu zweit provozieren sie eure Durchweicht so lange, bis sich dieser zu erkennen gibt, anstatt seine mehr oder weniger fähigen Schergen zu schicken.

 

Das Theater ECCE unter der Leitung von Reinhold Tritscher lässt einen wahren Verkleidungsrausch auf die staunenden Kinderaugen los. Gießkannen, Schwämme, Flossen, glitzernde und rauschende Folien und wabernde Nebel machen die Bühne zum feuchtfröhlichen Sumpfgebiet. Kröten, Nebelgeister, Krabben und die gepeinigten Wasserminister Quack und Quackquack geben sich auf der Bühne die Scheren und Flossen in die Hand.

 

Vom Zar zum Kampf herausgefordert, überwinden Wanja und der tapfere Soldat denselben gleich 3x um den versprochenen Siegerpreis - Wanjas Mutter - zu erringen. Doch ein Versprechen kann man zurücknehmen – so der Leitsatz des durchtriebenen Wasserwirbels.

 

Während sich also Wanja, Dimitri und später auch des Zaren eigene Tochter gegen den moosigen Monarchen auflehnen und sich durch eine Falle und ein gebrochenes Wort nach dem anderen kämpfen, erfüllt eine uferlose Ton-Maschinerie am Rand der Bühne das Geschehen auch hörbar mit Leben. Es knallt, knistert, singt, trötet, klimpert, pfeift und huhuut durch den Saal, dass die ohnehin schon glitschige Handlung noch einmal wellenbrechermäßig zulegt.

 

Schließlich jedoch gewinnt Wanja seine Mutter zurück. Aber in welchem Zustand?!? Als hohle, seelenlose Marionette muss er sie fluchtartig mit nach Hause nehmen. Das kann es doch wirklich nicht sein! Und der nasskalte Zar gibt noch immer nicht auf. Mit allen Mitteln verfolgt er die flüchtenden Helden samt Marionettenmum bis nach Hause. Doch als noch stärker als die Kraft seines Zauberbanns über die arme Mama, erweist sich schließlich die Kraft der Liebe zwischen Mutter und Sohn. Als der aufgeschwemmte Wasserwirbel Wanja durch den Hausbrunnen in die Tiefe holen will, reißen bei Mutter selbst die dicksten Marionettenfäden und sie prügelt den modrigen Gesellen mit der Gießkanne zurück in sein glitschiges Reich – für immer.

 

Mit ihrer Interpretation von Zar Wasserwirbel ist dem ECCE Ensemble wieder ein herzberührendes Bühnenstück gelungen. Mit viel Kreativität, Bastelarbeit und noch mehr schauspielerischem Talent und der herrlichen Geräuschkulisse von Rupert Bopp haben die Protagonisten das junge Publikum ganz für sich eingenommen. Der Beweis? Zum ersten Mal seit es die „Kreativen Kindertage“ gibt, haben die jungen, aber ebenso kritischen Gäste des Emailwerks nicht nur kräftig gejubelt und geklatscht, sondern – man glaubt es nicht – plötzlich lautstart nach einer Zugabe verlangt. Beim Theater zwar unüblich, aber nicht beim Theater ECCE... 

(mw)

 











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