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10.12.11 - 11:29 Uhr

Wer, zum Teufel, ist hier der Weihnachtsmann?


Es war der Auftakt zum alljährlichen Jungdesigner- und Kunsthandwerks-Markt mit dem sinnigen Namen VIELFALT. Ein gut gefüllter Raum an einem kaltfreundlichen Dezemberabend, es duftete köstlich und verführerisch nach Reis und ayurvedisch gegarten Linsen, Kinder tollten umher, man fühlte sich als in den 1950ern Geborener um Dekaden zurückversetzt. In jene Zeit, in der alle Ponchos trugen, Räucherstäbchen verbrannten wie die Pfaffen Weihrauch und niemand Respekt vor irgendwas hatten.

Sozusagen ein Warteraum im Vorfeld der READY STEADY CHRISTMAS SHOW.

 

Wer aus dieser Situation Rückschlüsse auf die Band des Abends zog, war völlig falsch gewickelt. Denn wenn die vier Musiker (der fünfte lag mit Grippe im Bett) von CHILI AND THE WHALEKILLERS auch aussahen, als seien aus einem Londoner Szenemagazin der 1960er entflohen - sie sind der Inbegriff einer klaren Absage an jegliche Retro-Tendenzen.

 

Die Songwriter-Qualitäten der jungen Indie-Pop-Formation sind augenscheinlich. Ein entwaffnend ehrliches, bodenständiges Stück Musik, das primär von einer bezaubernd unbeschwerten Melodiosität lebt, wie man sie nur selten vorfindet. Da könnten so einige etablierte Genrevertreter, die das Publikum oft mit ihren talentlosen Belanglosigkeiten versorgen, einpacken. Jedes einzelne Stück ist professionell musiziert und unaufdringlich ausgeschmückt, was einen tollen Kontrast zu den eingängigen, minimalistischen Arrangements bildet.

 

Die jungen Symphathieträger aus Reykjavik und Salzburg überzeugten an diesem Abend mit einer kurzweiligen, von fröhlich bis kurios erzählten, ausnahmslos selbstgeschriebenen Weichnachts-Show, beispiellos und fern aller Klischees. Ein entspannter Konzertabend mit spannendem Inhalt und manchmal gegensätzlichen Eindrücken, ungekünstelt, voll Lebensfreude und Witz, aber doch mit großer Tiefe und Intensität. Besser kann man Weihnachten nicht einläuten als mit einer Neudefinition der musikalischen Ausschmückung eines neochristlichen Konsumfestes. Nichts für Weihnachtsromantiker und Festtraditionalisten.

(lf)

 











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